The Dorf

                utopian beats & krautrock/jazz/trance/noise

                                 25-Piece sound collective

Ilias Ntais über seinen Film JazzSoup

Die geheime Zutat

Ilias Ntais beschreibt sich selbst als „Dirigent eines Software-Orchesters“. Auf der Suche nach Inspiration für sein Orchestermanagement-Programm „Orchestar“ verfiel der Ingenieur, Projektmanager, Musiker und Programmierer dem Jazz-Kollektiv „The Dorf“.

Monatelang begleitete er die rund 30 Musiker starke Truppe mit der Kamera bei Proben und auf Tour. Der daraus entstandene Film „JazzSoup“ feiert am 21. Februar Premiere im Dortmunder Jazzclub domicil. Max Florian Kühlem bat den Regisseur vorab zum Interview.

Warum sollte man sich einen Film über ein Jazz-Orchester ansehen?

Weil er die Besonderheiten des Ruhrgebiets abbildet über die Musik, die hier gespielt wird. Ich wohne mittlerweile in Köln, habe also den Blick von außen, und finde es immer wieder interessant, dass die Leute hier ihre eigene Region so uncool finden. Weil Dortmund ja nicht Berlin ist. Sie ignorieren, dass hier so spannende Sachen passieren wie „The Dorf“.

Was ist so spannend an „The Dorf“?

Die Gruppe wird immer als Big Band klassifiziert, aber das ist sie eigentlich nicht. Für mich ist sie eine der interessantesten Bands weltweit, aber man kann sie in keine Schublade stecken. Unter der Leitung des Saxophonisten Jan Klare kommen erstklassige Musiker zusammen, die Lust und Spaß am Spielen haben – ohne auf die Uhr zu sehen. Das ist der Unterschied zu einem klassischen Orchester: Da treffen sich alle pünktlich und halten die Klappe – bei „The Dorf“ wird erstmal locker gemeinsam gegessen.

Deshalb der Titel „JazzSoup“?

Ja, das ist ein festes Ritual von „The Dorf“. Jan Klares Frau kocht für jede Probe eine leckere Suppe. Ein Teil des Films zeigt in einer Art Roadtrip, wie sie von Münster ins Ruhrgebiet transportiert wird. Die Suppe, auf die sich alle tierisch freuen, ist eine Motivation für die Musiker. Sie ist die geheime Zutat, die beim Spielen alle im Bauch haben. Wie den Zaubertrank bei Asterix und Obelix.

Warum haben Sie den Film in Schwarzweiß gedreht?

Ich wollte ästhetisch zurück gehen zu den Musikdokus der 50er Jahre. Wenn man den Film sieht, wird man nicht genau wissen, ob er damals oder heute spielt, was ihm etwas Zeitloses verleiht.

Was wird die Filmpremiere besonders machen?

Teil des Konzepts ist, dass die Musiker selbst den Film am Abend zum ersten Mal ganz sehen. Er ist angelegt wie eine visuelle Begleitung eines „The Dorf“-Konzerts, der auch die Geschichte der Band erzählt. Und danach tritt sie natürlich noch auf.

Max Florian Kühlem, coolibri, 23.01.2013

Abseits des Kindchen Schemas

Keine Strophen, keine Refrains, aber ganz viele Männer: Süß und poppig sind sie nicht, die Arbeiten der Big Band The Dorf. Vielleicht hilft genau dieses Alleinstellungsmerkmal beim Erfolg.

Den Artikel im Heimatmagazin online weiterlesen.

Jens Kobler, Heimatdesign, 03.01.2013

Jazzsoup - Ein Film - Es ist noch Suppe da

The Dorf ist ein experimentelles Jazzorchester aus Münster und wird vom Saxofonisten Jan Klare angeführt. Das klingt zu einfach. Zu banal. „Es ist weder ein typisches Orchester, noch entspricht die Formation einer gängigen Bigband“, grätscht Jan Klare dazwischen, „The Dorf ist eher ein lebender Organismus, der ständig in neue Richtungen mutiert. Die Musik ist eine krassbunte Reise durch die Tradition der Jazz-Experimentation in der Klangtexturen und Instrumentierung Formen ignorieren.“ Jan Klare ist auch nicht einfach nur der Dirigent, er ist eher Möglichmacher, Motivator und Moderator in einer Person und damit der Kopf und das Herz des Dorfes. Und es gibt da noch ein besonderes Ritual, das mit Musik rein gar nichts zu tun hat. Oder vielleicht doch?

Jahrmarkt der Noten

Seit November 2006 treffen sich über 30 Musiker aus dem Ruhrgebiet einmal pro Monat im Domicil Jazz Club in Dortmund und spielen kollektiv als The Dorf. Spielen ist auch schon wieder zu kurz gegriffen.

„Natürlich wird Musik gemacht, einen ganzen Abend lang“, fährt Jan Klare fort, „doch vorher wird im Club geprobt. Das besondere dabei ist, dass das Repertoire aus von den beteiligten Musikern mitgebrachten Skizzen, Klangfetzen oder Stücken vor Ort, bei der Probe entsteht. Ein Jahrmarkt der Noten.“ Doch bevor es am Abend zum Spielen auf die Bühne geht, wird gemeinsam gegessen. Immer eine Suppe. Dazu geht ein Riesentopf mit cirka 20 Kilo Zutaten von Münster auf die Reise nach Dortmund. Die Faszination dieser emotionalen Interaktion, die einer sozialen Skulptur gleichkommt, hat den Filmemacher Jorgos Katsimitsoulias und seine beiden Mitstreiter Alexander Kersting und Ilias Ntais vom Fleck weg so fasziniert, dass sie das Innen- und das Außenleben von The Dorf als teilnehmende Filmbeobachter sechs Monate begleitet haben.

Teilnehmende Filmbeobachter

So begeben sich die drei Filmemacher mit ihrem Equipment, einem Teil der Musiker und dem Topf Suppe auf die monatliche Reise von Münster nach Dortmund. Ein filmisches Dokument entsteht.

„Es ging uns nicht darum, eine klassischen Konzertfilm zu drehen“, stellt Jorgos Katsimitsoulias klar, „im Mittelpunkt steht das Nachzeichnen von Prozessen und Interaktionen in diesem besonderen Orchester The Dorf. Dabei spüren wir den einzelnen, kleinen Geschichten der beteiligten Menschen nach. So beeinflusst jeder Musiker das Ganze, indem er im freien Flug alles aufnimmt, was ihn umgibt und darauf reagiert. Dazu gehören natürlich auch die Aspekte des Reisens und des Essens.“

Der Film ´Jazzsoup´ wird so zu einem außergewöhnlichen Dokument über Genuss und Genüsse und er vermittelt ein Gefühl dafür, warum dieses menschen- und musikoffene Konzept von The Dorf so packend ist. Musikalisch und menschlich.

JAZZSOUP - Der Film

Ein Film von Jorgos Katsimitsoulias, Alexander Kersting und Ilias Ntais
Termine:
21.02. Dortmund, Domicil, 20h
nach dem Film The Dorf live
04.03. Münster, Cinema, 20h
10.03. Köln, Filmhauskino, 17h

Franz X.A. Zipperer, westzeit, 01.02.2013

Zum großen Dorf vereint: Stimmige Vielfalt beim 17. Festival der Jazz Offensive Essen (JOE)

...Die Großformation „The Dorf“, die schon viele Moers-Festivals bereicherte und gerne auch mal synchron zu EM-Fußballspielen improvisiert, führte in ein rauschendes, lautes und buntes Finale. Die circa 30-köpfige Großformation ist ein freigeistiges Kollektiv, in dem das pralle Leben herrscht – ein buntes Völkchen aus Musikbesessenen aus hiesiger Region. Sie lassen es traumwandlerisch jazzen und wütend rocken, heben in freie psychedelische Klangwelten ab, verzahnen sich in präzisem Gleichklang in den Partituren, die ihr Bandleader Jan Klare schreibt. Der Geist des Festivals findet im Miteinander aller Beteiligten statt – vor und auf der Bühne kreativ, verrückt und offensiv.

The Dorf kochen eigenes Süppchen

.Die Musik verbindet sie, die Suppe ist der Kit: Rund 30 Musiker kommen beim Jazzorchester „The Dorf“ aus allen Himmelsrichtungen zusammen, um einmal im Monat im domicil zu musizieren. Jan Klare ist der Dirigent und hält die Gruppe seit sechs Jahren zusammen. Nun erscheint ein Film über das ungewöhnliche musikalische wie auch gesellschaftliche Projekt: „Jazzsoup“.
Bei der Suppe wird’s persönlich

Eine Klang-Ursuppe brodelt, wenn das Orchester zusammen die musikalischen Ideen erprobt, die Gemüsesuppe wärmt die Gemüter im sozialen Sinne: „Wenn man nur zusammen probt und dann wieder auseinandergeht, bleiben die Gespräche auf einer geschäftlichen Ebene. Das wollte ich bei The Dorf anders machen“, sagt Dirigent Jan Klare. „Beim Essen wird es persönlicher.“ So hat es Jan Klare bei einer früheren Band kennengelernt. Ein Stärkungstrunk für den Zusammenhalt. Was drin steckt im Zauberkessel? In der letzten Woche hat seine Frau Margo eine Kichererbsensuppe mit Möhren, Spinat und Ingwer gekocht.

Schon vor einigen Jahren ist Regisseur Jorgos Katsimitsoulias auf das ungewöhnliche Jazzorchester aufmerksam geworden. Im Zuge einer anderen Arbeit zum Thema Orchestermanagement führte er Interviews mit dem Dirigenten und Musikern von The Dorf. „So war schon Filmmaterial vorhanden. Der Transport der Suppe von Münster nach Dortmund bildet nun die thematische Klammer“, erklärt Jorgos Katsimitsoulias.

The Dorf kochen zusammen ihr ganz eigenes Süppchen: Der Film beleuchtet die Zusammenarbeit der Musiker, die Motivation des Einzelnen und das gemeinsame Ziel, die gemeinsame Vision von guter Musik. „Es geht aber auch um den Gedanken dahinter: Das Orchester kann ein gesellschaftliches Vorbild sein. Mann kann zusammen etwas gestalten, muss dazu aber das eigene Ego zurücknehmen, damit es gelingt“, erzählt der Regisseur. „Alle Musiker verfolgen ein ideelles Interesse. Obwohl der einzelne nicht im Vordergrund steht, können alle Musiker an dem Projekt wachsen.“
Film kommt von Herzen

Orchesterleiter Jan Klare freut sich über das Engagement des Filmteams um Jorgos Katsimitsoulias, Alexander Kersting und Produzent Ilias Ntais. „Er ist wahnsinnig liebevoll und respektvoll gemacht. Das kommt von Herzen“, ist er sicher. Ihm selbst geht ebenfalls das Herz auf, wenn er so manchen Musikerkollegen plötzlich auf der Leinwand sieht: „Obwohl man die Menschen oft neben sich auf der Bühne stehen hat, fällt einem, wenn man die im Film sieht, plötzlich auf: Wow, ist der charismatisch!“

Insgesamt ist der Film nach ersten Besuchen der Musiker auf Festivals ein kleiner Meilenstein in der Geschichte des Dorforchesters. Jan Klare findet: „Der Film ist ein Dokument, auf das man zurückblicken kann. Ganz anders als bei unserer Live-Musik. Die ist nach dem Konzert verklungen. Der Film ist ein großes Geschenk.“

Maike Rellecke, Westfälische Rundschau, 25.01.2013

Épatant!

"Ce n'est pas un orchestre, c'est un village", annonce Jan Klare, son "chef", un village avec ses résidents permanents, ceux qui sont en villégiature temporaire, ou simplement de passage. Thierry Giard (CultureJazz.fr/ juin 2009) vous a présenté cet orchestre assez incroyable et tonitruant qui se réunissait au club Domicil de Dortmund un jeudi par mois pour répéter et enchaîner par un concert avec les musiciens présents. Voici donc le second disque de The Dorf, qui comprend huit compositions aux titres en onomatopées : Now, Spin, Deef, Pulk, Feed, etc., pièces bourrées de trouvailles et de couleurs, entraînantes, simplement mais efficacement arrangées, basés sur des oppositions et contrastes puissants. On fait avec les instrumentistes présents : ici sept souffleurs qui ne font pas semblant, trois guitares électriques, deux batteries, quatre appareils électroniques… Ce pourrait être parfois un peu chargé — on étouffe presque dans Riff —, mais ce n'est jamais lourd ni pesant, une sorte de grâce juvénile, un sens de la fête, une générosité, un enthousiasme débridé, emportent le morceau. L'auditeur, entraîné dès l'ouverture, est pris dans le tourbillon orchestral riche et foisonnant. Succès assuré sur scène… à Coutances ? Un seul et dernier mot : épatant !

Culture Jazz, Juli 2012

Druckvoll und Präsent

...Vorneweg klopft Klangmaschinist Jan Klare mit The Dorf den Staub aus der BigBand-Geschichte des Jazz, als er mit einer Reminiszenz an den im Januar verstorbenen Schlagwerker Frank Köllges unglaublich druckvoll und präsent das Festival eröffnete...

Klaus Hübner, Jazzpodium, Juli 2012

Ein Jazzorchester vertont die EM

Wie ein wildgewordener Marktplatz

Im Dortmunder Jazzclub »domicil« vertonte das Jazz-Orchester »The Dorf« das Gruppenspiel der DFB-Elf gegen die Niederlande. Dirigent Jan Klare über Improvisation, seine Rolle als Spielmacher und den Klang des Titelgewinns.

Jan Klare, wie klingt ein Tor von Mario Gomez?

Wir nutzen bei den Toren der deutschen Mannschaft eine abgedrehte Polka. Besonders klingt da der Gesang unserer Sängerin durch, eine Art Freudenschrei. Ob da jetzt Mario Gomez trifft oder nicht, ist egal. Allerdings werden wir in dem Moment sowieso vom Jubel des Publikums übertönt.

Eine Tormelodie aus der Retorte. Und ich dachte, Sie improvisieren...

Die Tore sind die einzigen Situationen, die vorbestimmt sind. Bei Gegentoren spielen wir einen Trauermarsch. Der Rest lässt sich ja nicht vorhersehen, das heißt wir reagieren impulsgeleitet aus der Improvisation heraus. Da merkt man schon noch die echte Freude, wenn ein Tor fällt. Ansonsten steht komponiertes Material bereit, das ich frei abrufen kann, zum Beispiel ein gesungener Kommentar oder ein Applaus der ganzen Band.

Jazz und Fußball – das klingt wie eine absurde Verbindung. Wieso funktioniert sie trotzdem?

Erst einmal spielen wir in Dortmund, der Stadt des Deutschen Meisters. Da kann man sich dem Fußball sowieso nicht entziehen. Und zum anderen ist es bei so einer Bandstärke – wir haben die letzten Gigs mit 28 Leuten gespielt – ganz ähnlich wie in einem Fußballteam. Alles was da wichtig ist, ist auch in einer Band wichtig. Wer hat in welchem Moment welche Rolle? Wie stellen wir unser Spiel auf?

Als Dirigent bei »The Dorf« geben Sie dann quasi den Mesut Özil.

Ja, ich bin in gewisser Art und Weise der Weichensteller. Es gibt zwar viel Raum für individuelle Interpretationen – der Geiger spielt zum Beispiel ein langes Glissando, wenn der Ball über das ganze Spielfeld fliegt oder der Drummer übernimmt den Abstoß. Aber für die Gesamtkoordination bin ich natürlich der Mann, der die Entscheidungen trifft. Man kann nicht über 90 Minuten jeden Ballkontakt markieren, irgendwann muss das Orchester gesamtmusikalisch auf ein anderes Level gehen. Als das Spiel gegen die Niederlande auf eine tiefere Ebene rutschte, haben wir psychedelische Elemente dagegen gesetzt. Ich bin derjenige, der die Band dann zusammenbringen muss. Also wirklich wie der Spielmacher.

Eignet sich Jazz für so ein Projekt besser als andere Musikrichtungen?

Ja, ich denke schon. Wir pflegen beim Jazz eine hohe Improvisationskultur und so ein Spiel ist eben auch nicht vorhersehbar. Ich habe in der Vergangenheit viele Stummfilme vertont, da kann man dramaturgisch ganz genau steuern. Bei so einem Spiel muss man aber reagieren. Da müssen die Kollegen in der Lage sein, sich schnell zu etwas Neuem zu formieren, oder plötzlich einen dramaturgischen Streifen unterbrechen, wenn ein böses Foul passiert. Insofern ist der Jazz schon prädestiniert dafür.

Glauben Sie, dass die Musik die Art und Weise, wie das Publikum die Partie wahrnimmt, beeinflusst?

Die Musik spricht eine andere Ebene an. In Phasen, in denen das Spiel nicht auf höchstem Niveau läuft, lassen Konzentration und Spannung nach. Dann fährt man etwas runter und nimmt das Spiel emotionaler wahr. Zum Beispiel diese starke Identifikation. Der Sport ist ja nicht nur ergebnisorientiert, sondern auch ein großes Drama. Das ist ein großes emotionales Ereignis, bei dem sich ein Stück Volksseele auftut. Bei dem man sich zu einer Hälfte des Spielfeldes bekennt. Dieser Aspekt wird durch die Musik verstärkt angesprochen.

Der Spott über die TV-Kommentatoren war nach den ersten Spielen groß. Ihren Jazz kann man auch als Antwort auf Thomas Wark und Béla Réthy verstehen, als Reporterschelte und Fernsehkritik.

So schlimm habe ich das gar nicht wahrgenommen. (lacht) Aber die Musik ist natürlich eine Entscheidungsalternative für das potentielle Publikum. Die Leute, die nur das Spiel sehen wollen, kommen sicherlich nicht zu uns. Es gibt Leute, die wollen den Original-Kommentar mit seinen Informationen, mit den Statistiken und so weiter. Man muss sich bei uns auf etwas anderes einlassen wollen. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung.

Was war aus musikalischer Sicht bislang Ihr Höhepunkt des Turniers?

Das grandiose Tor von Englands Welbeck, als er den Ball eigentlich unmöglich rücklings ins Tor drückt. Das war ästhetisch schon eine Sage. Oder das Spiel von Spanien gegen Italien. Da hätte man musikalisch noch viel mehr Gas geben können als bei dem deutschen Spiel gegen die Niederlande, wo wir irgendwann in Stücke aus unserem Repertoire übergehen mussten.

Angenommen, Deutschland holt am 1. Juli in Kiew den EM-Titel. Was würde »The Dorf« spielen?

Auf jeden Fall die Polka XL. Das ist keine gewöhnliche Polka, sie läuft an unsere Möglichkeiten angepasst etwas schräger ab. Es spielen alle die ganze Zeit! Die komplette Wucht der Band steht im Vordergrund. Das klingt wie ein wildgewordener Marktplatz, der sich musikalisch ausdrückt. Genau das ist mein musikalisches Bild vom Titelgewinn.

Jannis Carmesin, 11 Freunde, 21.06.2012

The Dorf spielte Fußball

Klanggewaltige Live-Vertonung eines EM-Spiels im Domicil

"Wir sind nicht dafür verantwortlich, wie der Abend ausgehen wird..." hatte sich Bandleader Jan Klare gegenüber seinem Publikum erst mal "abgesichert", bevor er mit den Musikern von "The Dorf" live zum Fußballturnier Deutschland-Niederlande aufspielte. Ob die frenetische Spiellust dieser großbesetzten Band im Domicil für das positive Abschneiden der deutschen Mannschaft mitgeholfen hat, mag Spekulation bleiben. Tatsache ist: Dieses Live-Konzert der etwas abseitigen Art untermalte das Geschehen auf der Großbildleinwand nicht nur, sondern interpretierte es.

Die Spieler auf dem Rasen nehmen Aufstellung ebenso wie diese schrägen Musikanten auf der Bühne im Domicil. Diese illustrieren von nun an das Gesehene, so dass man den sonst üblichen Kommentatoren-Redeschwall kaum länger vermisst. Anpfiff: Jan Klare und "The Dorf" lassen es krachen, denn es geht um alles. Rasant, fast überkochend treiben rockige Riffs voran, ähnlich bedrängend wie die einsetzenden Stürme aufs gegnerische Tor. Schroffe Dissonanzen gellen durchs Domicil bei jeder brandgefährlichen Chance. Ein nervöses Lufteinziehen angesichts von so viel Anspannung findet Widerhall in einem zischelnden Becken. Mit glühendem Bläsersatz, gellendem, oft psychedelischem E-Gitarrensound, mit Streichern, Tuba, Kontrabass, Keyboards und pochendem Schlagwerk verdichten und überhöhen The Dorfs atemlos geschnittene Hörfilme die Aktion auf dem Fußballrasen. Nicht ohne wiederkehrende Leitmotive - allen voran natürlich eine fröhliche Tor-Fanfare, die an diesem Abend zweimal erklingt. Der Trauer-Choral fürs Gegentor braucht sich hingegen nur einmal Gehör zu verschaffen.
Im fliegenden Wechsel reißt Bandleader Jan Klare das Steuer herum und hat den konzentrierten Blick abwechselnd auf der Großbildleinwand bei Gomez und co., seinen Musikern und der Partitur. Was soll eine Partitur bei der Betonung eines so völlig unberechenbaren Vorgangs wie eines Fußballspiels? "Grundlage sind viele unserer komponierten Stücke. Aber wir variieren deren Abfolge blitzschnell und platzieren viel freie Improvisation dazwischen" sagt der Bandleader.
In Jan Klares schrägem Rockjazzorchester spielen viele der besten Jazzmusikerinnen und -musiker aus der ganzen Region. Die überbordende Spiellust und Flexibilität dieser Truppe ist längst sprichwörtlich geworden. Jan Klare versteht sein Tun nicht zuletzt als eine Art klingende soziologische Feldforschung und hat sich hier in die kollektive Gefühlswelt eines Fußballspiels "hineingehört": Anspannung. Angriffslust. Euphorie. Zuversicht. Triumph. Was für eine Skala setzen diese zwei mal 45 Minuten frei!

Stefan Pieper, 14. Juni 2012

Musik ist für Helden

Der Jazzmusiker Jan Klare aus Münster ist bekannt für seine unkonventionellen Projekte. Beim Jazzfestival in Moers rückt er mit einem wilden Haufen von 28 Musikern an

Wenn am Pfingstwochenende das diesjährige Moers-Festival beginnt, dann geschieht dies mit einem an gewaltige Naturphänomene erinnernden Ereignis. Das Traditionstreffen der unkonventionellen Jazzmusiker wird von The Dorf eröffnet - eine Gruppe, die den Begriff Big Band auf eine ganz eigene Art auslegt. Ja, es wird groß, und ja, es ist eine Band. Aber keine gewöhnliche. Diese Band ist eher eine Bande. The Dorf hat nichts zu tun mit klassischen Big Bands. In ihrem Repertoire finden sich keine Jazzstandards, sondern nur große Klänge, für die der Begriff Musik gelegentlich zu kurz greift.

Jan Klare ist der Chef von The Dorf, gewissermaßen der Dorf-Bürgermeister. Für sein Dorf-Projekt lädt er einmal im Monat befreundete Musiker nach Dortmund ein. Im dortigen "Domicil" finden sich dann zwischen zwölf und 30 Kollegen zusammen, die ansonsten alle anderswo ihre Brötchen verdienen. Und sie spielen, was Klare aufgeschrieben hat. "Eine Big Band im klassischen Sinne ist das nicht", sagt der 50-jährige Klare - und ergänzt: "Es geht um große Klangflächen." Freilich ist auch diese Beschreibung vollkommen unzureichend. Aber alles, was man über The Dorf umfassend sagen könnte, ist, dass die Formation sich auf sehr charmante Art unberechenbar präsentiert.

Klare kann das sehr schön demonstrieren, wenn er die auf Platte gebannten Stücke abhört. "Wenn ich in die einzelnen Stimmen hineinhöre, dann merke ich, dass keiner spielt, was ich notiert habe", sagt er seufzend. "Aber in der Summe stimmt es."

Natürlich ist das Ergebnis, das man auch in einem Wettbewerb "Unser Dorf soll lauter werden" unterbringen könnte, selten der reine Wohlklang. "Es hat auch Krachanteile", sagt Klare, der wohl weiß, was für eine Bande er da zu verwalten hat. Mit klassischen Rollenverteilungen hat das oft wenig zu tun. "Ich bin kein Dirigent, ich schaffe es nur, zu vermitteln, was ich will", sagt der Mann, der eigentlich Saxofon spielt, viel komponiert und auch Musik unterrichtet. Und dann kommt zwangsläufig die Assoziation zu dem auf, was Beamte gerne Fliegende Bauten nennen. "Manchmal bin ich mehr Zirkusdirektor als Bürgermeister", sagt Klare. Sein Seufzen macht deutlich, dass dies letztlich genau das ist, was er beabsichtigt. Wenn er von Auftritten als "gemischte Raubtiernummern" spricht, dann klingt bei ihm durchaus ein bisschen Stolz mit.

The Dorf haben es mit bislang 30 Stücken und knapp 80 Auftritten in sechs Jahren geschafft, sich einen veritablen Ruf in der Szene zu erspielen. Der bisherige Höhepunkt war dabei zweifelsohne die Einladung von Helge Schneider. Der hatte die Ruhrgebietskollegen im vergangenen Jahr zu dem von ihm gestalteten "Heimatabend" in Moers gebeten. Und das Konzert wurde zu einem Ereignis von ungeheurer Schlagkraft. So groß war die Kraft, dass Reiner Michalke, der künstlerische Leiter des Moers-Festivals, The Dorf umgehend als Eröffnungsact für dieses Jahr verpflichtete. Nun wärmen sie am Eröffnungsfreitag die Bühne an für Gunter Hampel und Carla Bley.

Sitzt man Klare gegenüber, kann man in seinen Augen jetzt noch das Gefühl des großen Moments erkennen. Es ist nicht so sehr der große Erfolg in den Medien, der Klare wichtig wäre. Er spricht lieber von einem Bewusstsein, Teil eines großen Ganzen zu sein, das über das hinausreicht, was sich den Augen und den Ohren im ersten Moment erschließt. "Es passiert unglaublich viel. Man ist Teil einer wirklichen Macht", schwärmt der Bandchef.

Natürlich muss er sich angesichts der komplexen Strukturen ab und an auch mal einen Vergleich gefallen lassen. Hört man The Dorf mit all der Wucht und all den Wechseln, drängt sich schließlich rasch die Assoziation zum Altmeister Frank Zappa auf. "Wenn man multistilistisch ist, kommt man an dem eben nicht vorbei", sagt Klare. Und es wird deutlich, dass er schon unangenehmere Vergleiche gehört hat. The Dorf können schnell spielen. Und langsam. Laut und leise. Und die Verzwicktheit mancher Arrangements erfordert durchaus eine elaborierte musikalische Auffassungsgabe. Unbeleckte Zuhörer könnten das auch als gepflegten Lärm abtun. Aber dann plötzlich kommt eine fast schon rockige Nummer dazwischen, die ohne Weiteres den Vorspann des "Tatort" ersetzen könnte. Schlagzeug, Bass und Gitarren geben einen schnellen, einen gehetzten Rhythmus vor, und die Bläser schneiden messerscharf in die wenigen Lücken. Das knallt, das pulsiert, das treibt. So klingt Spannung.

Nicht zu unterschätzen ist bei Auftritten von The Dorf auch der optische Aspekt. Musik ist eben nicht nur das, was man hört. Es gibt viel zu sehen für die Zuschauer. "Es ist fast genauso viel Theater und Rollenspiel wie Musik", beschreibt Klare das Ausdrucksspektrum. Er weiß, dass seine Musiker, die The Dorf mehrheitlich auch als Ausgleich zu ihren ansonsten bierernsten Engagements begreifen, das Ganze gerne auch mal als den Spaß begreifen, der es letztlich auch sein darf.

Für Klare ist ein Auftritt mit The Dorf stets auch eine Angelegenheit allerhöchster Konzentration. Sein Saxofon muss er dann im Koffer lassen. "Ich spiele selbst nicht. Das ist zu viel", sagt er. "Da würde ich beides nicht richtig machen." Klare hat anderes zu tun. Er muss The Dorf in Grenzen halten, in die Schranken wiesen, quasi die Kirche im Dorf sein. "Ich muss manchmal auch Autorität ausstrahlen", sagt er.

In Moers wird The Dorf am 25. Mai mit 28 Musikern antreten. Bei den Auftritten in Dortmund sind es meist weniger, manchmal nur ein Dutzend. "Dann ist es eher ein Weiler als ein Dorf", sagt Klare. Zwischen 22 und 59 Jahre sind seine Musiker alt. Sie reisen aus dem Köln-Bonner-Raum ebenso an wie aus dem Essener Folkwang-Umfeld. Klare selbst kommt aus Münster und begreift sich als Teil eines multiregionalen Projekts.

Passend zur Fußball-EM wollen die Musiker eine auf den ersten Blick leicht spleenig anmutende Idee umsetzen. Wenn Deutschland gegen Holland spielt, werden sie in Dortmund auf der Bühne stehen und vor der Großbildleinwand das Spiel musikalisch begleiten. "Wir haben das schon mal gemacht, und da hat Deutschland 3:1 gewonnen", sagt Klare, der bei dem Ereignis durchaus Probleme hatte, seine fußballverrückten Jungs beim Taktstock zu halten. "Manche haben die Fußballspieler beklatscht anstatt zu Musik zu machen", berichtet er.

Trotzdem ist er guten Mutes, dass The Dorf sich vom Spiel der deutschen Fußballmannschaft wird antreiben lassen - und dass die Musik vielleicht auch aufs Spiel einwirkt. Schließlich sieht Klare deutliche Parallelen zum Fußball. "Wir sind eine Mannschaft, in der die Spieler aufeinander angewiesen sind und zusammen funktionieren müssen", sagt er. Dass man das einfach nur als gelungene Kommunikation abtun könnte, will Klare nicht gelten lassen. Das, was The Dorf absondert, sei mehr als nur die Summe dessen, was die Musiker untereinander austauschen. Oder wie Klare sehr schön sagt: "Kommunikation ist für Rechtsanwälte. Musik ist für Helden."

Hans Hoff, Welt am Sonntag, 20. Mai 2012

Supervisione Di Jan Klare

Come sottolineavamo su questo sito nella recensione del primo CD, omonimo di questo progetto, " ... sono giovani, sono pieni di grinta e di passione ma sono anche competenti e scaltri. Cosa volere di più?"

Analisi molto corretta che calza a pennello anche per la seconda incisione di questo atipico open-combo in casa Leo. Dorf, vocabolo tedesco che significa villaggio, si attaglia perfettamente anche al senso di unità programmatica che è proprio di questa sorta di ensemble orchestrale moderno (qui sono in ventidue a far baldoria) capace di far ricordare i grandi gruppi zappiani, l'Exploding Star Orchestra di Mazurek, la Vienna Art Orchestra, la Globe Unity, la "Very Big Band" di Carla Bley, le avventure elettriche di Gil Evans e via di conserva, senza dimenticare lo humor congenito di tutte le più storiche e famose formazioni collettive olandesi. Ma, rispetto a queste nobili esperienze citate, qui il gioco è costruito grazie agli apporti di "splendidi giovinastri" dell'area mitteleuropea (il gruppo base è nato come resident band del Domicil jazz club di Dortmünd). E, se proprio bisogna andare a ricercare suoni abbastanza vicini, è forse la Cosmic Band di Gianluca Petrella la prima corretta correlazione da citare per restare in tempi vicini. Altrimenti - andando a ritroso - si possono ricordare i fasti andati della meravigliosa esperienza Centipede di Keith Tippett che nei Settanta riunì in sostanza tutti i migliori nomi della musica intelligente britannica. A, ancora, si pò rimandare al meglio di quel movimento chiamato "Rock in Opposition," anche se lì, la storia, ha basi tutte differenti.

La musica di questi otto brani è semplicemente esemplare. Cinematica ci piacerebbe innanzitutto affermare... sicuramente esuberante e dannatamente ricca di rimandi a un certo pop-rock ricercato (King Crimson in primis), capace di inserire temi "heavy" (sono ben tre i chitarristi presenti in formazione con due batteristi) su basi di brass section proprie dello Zappa orchestrale o altre più vicine alle geometrie punk. Il tutto sotto l'attenta direzione e supervisione di Jan Klare, visionario sassofonista e arrangiatore in grado di sviluppare tessuti musicali in maniera sicuramente raffinata, senza mai dimenticare la "potenza" insita in una band di queste proporzioni ed eviscerarne dunque anche una parte violenta, magari poi furbamente da accostare (come ad esempio nel caso del brano "Count") a episodi quasi minimalisti, vicini a Philip Glass e con in più la simpatica chicca di un "conteggio" vocale filtrato elettronicamente che appare come quasi omaggio ai connazionali Kraftwerk, da quelle parti mai smessi di amare.

In breve, un "giro" di una trentina di musicisti che sanno innanzitutto divertirsi e divertire.

Di musica così se ne sentirebbe bisogno quasi quotidianamente.

Valutazione: 4 stelle

Vittorio Albani, all about jazz, März 2012

Das Beste kommt zum Schluss

(...) Nun aber eine Hymne! Das Beste kam nämlich zum Schluss. Die 18-köpfige Ruhrpott-Crew The Dorf jagte mit Vollgas die Jazz-Sau durch selbiges. Diese Band ist ein musikalisch sensationelles Unternehmen. Angetrieben von dem wie ein Löwenbändiger herumhüpfenden Jan Klare ("Airmovement" nennt er sein Dirigat), der auch für die Kompositionen verantwortlich ist, fuhr dieses scheinbar wahllos aus allen möglichen Instrumentengruppen bestehende Orchester Attacke auf Attacke: Krachlaut, mit überbordender Spiellaune, jeder Menge Frechheit (so lustvoll und lustig wurde Beethovens Schicksalsmotiv selten interpretiert) und überschäumendem Witz (zwei E-Gitarristen, die ohne Verstärkung herumzirpen müssen) ist diese Band schlicht eine Offenbarung – fast zu schön, um wahr zu sein. Ein fantastisches Finale!

Christian Emigholz, Weser Kurier, 31.Oktober 2011

New Issues

The small orchestra, The Dorf, certainly has a little of everything. On the opening, "Now," principal composer Jan Klare introduces the diverse elements—a violin and cello, brass and saxophones, a couple drummers and a couple bassists, and lots of guitars and electronics. "Now" unwinds over an insistent pulse set by the guitars. The orchestral possibilities are used on the majestic "Deep," but Klare and crew are also not afraid to throw everything at the listeners, as on the hard-hitting "Riff" and the slapstick "Pulk" with its elements of old-time Jazz and high-stepping polka with punchlines galore. "Feed" puts Verborg's violin out front in a taut, expressionistic exploration that grows more tense and thicker as it progresses. The textures thin enough for one of the trumpeters to solo, a rare instance in a session devoted to ensemble textures. Those crescendo to a roaring conclusion. The collective improvisa- tion serves as an appropriately raucous coda to the session.

David Dupont, Cadence, Jul - Aug - Sep 2011

"The Dorf': Aus Klangchaos entstehen ganz neue Melodien

Beeindruckender Auftakt zur 10. Auflage des "In Front Festivals"

"Sound, der einen in den Sitz drückt": Die 17 -köpfige Formation "The Dorf" aus Dortmund legte zum Auftakt des 10. "In Front Festivals" in der Klangbrücke los wie die Feuerwehr.

Aachen. Die Bühne ist voll. 17 Musiker plus Instrumente plus Dirigent plus Notenständer und anderes Equipment - sie brauchen viel Platz und schaffen dabei aber auch einen Sound, "der einen richtig in den Sitz drückt", wie eine Konzertbesucherin sagte. Doch es ist natürlich weder die Größe des Ensembles, noch ihre schiere Lautstärke, die "The Dorf" zum passenden Auftakt für das 10. "In Front Festival" machen. Vielmehr ist es ihre "musikalische Abenteuerlust", wie Werner Hüsgen von der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen (GZM) es nennt.

Die GZM bietet eine Plattform für Neue Musik, Neuen Jazz und Improvisation, also Musikstilen abseits des Mainstreams. "Wir wollen Musik präsentieren, die es so vielleicht noch nicht gegeben hat", beschreibt Hüsgen das Ziel des Vereins. "The Dorf" seien da ein sehr gutes Beispiel. Entstanden ist das Orchester unter der Leitung von Jan Klare aus einer Jam-Session im Dortmunder Jazzclub Domicil vor fünf Jahren. Bei ihren Auftritten ist "The Dorf" selten zweimal in der gleichen Besetzung unterwegs. Auch die Instrumentierung ist exotisch: Eine große Bläsersektion mit Basssaxophonist, Elektroniker mit DJ-Setup, Streicher und drei Gitarristen.

Die Stücke sind der opulenten Besetzung der Gruppe auf den Leib geschnitten, der Sound ist hart und eher rockig-punkig. Blitzschnell wechseln die Musiker von Improvisation auf vorher Komponiertes, lassen aus Klangchaos neue Melodien entstehen, wechseln abrupt von ohrenbetäubender Lautstärke zu leisen, fast sanften Tönen. "Es ist einfach eine unglaubliche idealistische Begeisterung für ein ganz außergewöhnliches Projekt fernab von wirtschaftlichem Denken", so Hüsgen.

Auch am nächsten Wochenende stehen in der Klangbrücke drei weitere Konzerte im Rahmen des In Front Festivals auf dem Programm. Der Freitagabend widmet sich mit dem Daniel-DaemenQuartett dem Neuen Jazz, während am Samstag das Trio Contraste zu Gast ist. Die Kombo aus Rumänien vereint traditionelle Musik ihrer Heimat mit modernen Klängen. Den Festival-Abschluss am Sonntag bilden Retroviseur mit jungem Jazz aus Frankreich. Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr in der Klangbrücke. Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.

HST, Aachener Zeitung, 10. Oktober 2011

Highlight

Ein Highlight des Festivals kam aus der Region. Der Münsteraner Big-Band_Leader Jan Klare fuhr seine Janitscharen von The Dorf auf. Mit 25 Musikern zeigte er, was Big Band im Jahr 2011 bedeuten kann. Obwohl die Band ziemlich komplexe Stücke spielte, entlud sich hier vielmehr die pure kraft des Punk als die feinsinnige Sophistication des Jazz

Wolf Kampmann, Jazzthetik, September 2011

THE DORF

Le Record

Conductor Jan Klare leads this crack 20-member big band (seven brass and reeds, three guitars, four electronics, violin, cello, two basses, two drums) through seven of his compositions, plus one collective improvisation. Densely packed with ideas, they chart through Fujii-esque driving rock ("Now" and "Riff"), Braxtonian avant-circus jazz ("Pulk"), bursts of atonal guitar shredding ("Spin") and cinematic scores ("Feed"). This CD screams Big Fun, yet rewards deeper listening. Easily among this year's most exhilarating releases. 9/10 Trial

Lawrence Joseph, Montreal Mirror, 4. August 2011

Das 40. Moers Festival

Die ganze Welt ist ein Dorf

Moers (RP). Dieses Dorf findet man nicht auf der Landkarte. Und dennoch ist seine Energie mitreißend, lebendig und vitalisierend. Seinen geografischen Schwerpunkt hat es meistens im Dortmunder Jazzclub Domicil, am Sonntag befand es sich mitten im Moerser Freizeitpark.

Und dort ließ es das Dorf richtig laut krachen – mit viel Blech, noch mehr Improvisation und verrückten, oft unerwarteten Klangwelten. "The Dorf", so heißt das Orchester, wurde 2006 von dem Saxofonisten und Komponisten Jan Klare mit Unterstützung des Dortmunder Jazzclubs gegründet. Dort kommen einmal im Monat bis zu 25 Musiker zusammen, die zum Who's Who der Ruhrgebietsszene gehören. Am Festivalsonntag holte die 25-Mann-Kapelle die Moerser um 14 Uhr aus ihrem Mittagsschläfchen und machte im Festivalzelt den Eisbrecher.

Wer der improvisierende Musikszene nicht hinterher reist, dem bescherte das Moers Festival das seltene Vergnügen, ein richtig großes Orchester zu erleben. Die Mannschaft vom "Dorf" sprengte regelrecht den Bühnenraum.

Die Musiker standen dicht an dicht mitten im ausladend üppigen Equipment und hatten sichtlich Spaß daran, das Festivalzelt zum Vibrieren zu bringen. Jan Klare im blau-geblümten Hemd war als Frontman leicht auszumachen. Doch der Komponist und Saxofonist ließ den Musikern Raum für viele Soli. Gemeinsam schufen sie atemberaubende Klanglandschaften – die zuweilen fremd wirkten, um dann wieder von Hör-Erinnerungen abgelöst zu werden: da ein kurzer Rhythmus, ein Groove, dort ein röhrender Heavy Metal mit ansteigendem Dezibel........

Anja Katzke, RP-Online, 14. Juni 2011

The Dorf gehören dazu

Deutschland ist kein optimales Pflaster für innovative Großformationen, vielleicht, weil man große Orchester zu sehr auf die urbanen Zentren projiziert. Ausgerechnet aus Münster kommt jetzt ein Orchester, das den Big-Band-Staub von den Hörmembranen bläst.

BigBands pflegen von alters her dasselbe Ritual. Die Arrangements klingen bis auf Nuancen immer gleich, die Soli glaubt man tausend mal gehört zu haben, und doch funktioniert es immer wieder, weil sich genug Leute auf dieses Ritual einlassen, ja es geradezu einfordern. Alle paar Jahre gibt es eine neue Big Band, die aus diesem Trott ausbricht, das Globe Unity Orchester, die Carla Bley Band, die Loose Tubes oder Jaga Jazzist zeigen, dass Akzente zu setzen auch jenseits des neu eingekleideten Althergebrachten möglich ist. The Dorf gehören dazu.

Das Dorf, das klingt zunächst einmal klein. Doch der Sound auf dem neuen Album Le Record wächst schnell. Das Kleine bleibt im Großen stets enthalten, der Klangkörper als Ganzes bildet mit zickiger Beharrlichkeit die einzelne Intention ab. Den Grund sieht Bandleader Jan Klare in der Entwicklung seiner bunten Truppe: "Das ist ja keine feste Besetzung, bei der man die Leute nach fixen Vorgaben aussucht. Ich habe den kompletten Musiker-Pool, mit dem ich in einem geografisch überschaubaren Raum über Jahre gearbeitet habe, eingeladen, regelmäßig zu festen Spielterminen zu kommen. Daraus kristallisierte sich die Band. Jeder Gig hat eine andere Besetzung. Dadurch ist immer Fluktuation und Bewegung, aber auch Überraschung gegeben. Die soziale Komponente geht weiter über das Erfüllen bestimmter Parts hinaus." Während viele BigBands wie aufgeblasene Combos funktionieren, in denen bestimmte Sounds und Stimmen lediglich multipliziert werden, definiert sich The Dorf über díe Montage ihrer Einzelteile. Wollte man die Big Band nicht über die Anzahl ihrer Musiker, sondern über ihren Sound definieren, wäre The Dorf ein freies Orchester, aber keine Big Band. Wovor Klare am meisten zurückschreckt, ist die Erfüllung von zugewiesenen Parts. Anstelle gruppendynamischer Obliegenheiten sucht er nach Magie, im Fall von The Dorf besteht der Zauber aus einer originellen Mischung aus "abgehangen urban" und "abenteuerlich provinziell".

Dieses besondere Gemisch fand Klare vor vielen Jahren in England, als er mit einem Keyboarder namens Dean Brodrick zusammenwohnte: "Der organisierte ganz seltsame Festivals, an denen ich teilnahm. Zum Beispiel initiierte er ein komplettes Festival in einer Kirche, bei dem es um die Hierarchie der Erzengel im Himmel ging. Für diesen Anlass gründete er eine Big Band, die nur dort spielte. Diese Sachen waren meist sehr kurzlebig, aber ich konnte mir abgucken, wie man mit Leuten Dinge aufbaut, bestimmte Elemente einbezieht und andere wieder verwirft. The Dorf ist ja keine Sache, die man sich einfach vornehmen und dann umsetzen könnte, Da spielen ganz viele Entwicklungen mit rein. Mit einigen Leuten von The Dorf bin ich seit 20 Jahren in verschiedenen Bands und Konstellationen am Laborieren."

Da kommt eine ganz eigene Mischung aus Fertigem und Unfertigem zum Tragen. Sobald man sich in einem kompletten Gebäude wähnt, wird man in den Rohbau zurückversetzt; sowie man sich in nomadischer Existenz eingerichtet hat, erwacht man in einer Kathedrale. "Ich versuche eine Plattform zu gestalten", so Klare, "die mir und den Beteiligten soweit wie möglich entspricht. Das kann ruhig eine gewisse Komplexität haben, damit die Hirne eingeschaltet bleiben. Mit akademisch geschulten Musikern ist es schwierig, simple Sachen zu spielen. Da muss irgendwas beigefügt werden, damit sie mit Verve und Enthusiasmus über lange Wege etwas aufbauen. In dieser Hinsicht bin ich von Godspeed You! Black Emperor beeindruckt. Ich habe mich oft gefragt, wie die so lange Spannungsbögen schaffen. Diese Einfachheit kann man nicht mal eben auf ein Stück Papier schreiben. Man muss den Spirit einfangen. Dass heißt, man muss erst einmal an eine Idee glauben und ein paar Mal damit auf die Schnauze fallen, bis es dann irgendwann funktioniert. Das erfordert Geduld."

Im weiten Feld zwischen proletarischer Marschkapelle, Punk-Orchester und Weill-Nachfolge ist die Musik Jan Klares vor allem etwas, das man bei Big Bands herkömmlichen Zuschnitts selten findet: Sie ist uneitel. Die Ambitioniertheit der Arrangeure, die damit prahlen, was sie mit einem Klangkörper alles anstellen können, der Druck der Solisten, die in ihrem Spot kompensieren, dass sie sich in der Gesamtmusik eigentlich unterrepräsentiert fühlen – das Dorf hat nichts von alledem. Statt Perfektion stösst man hier zuweilen auf eine offensiv bekennende Amateurhaftigkeit, deren Feuer die Routine der meisten alteingesessenen Big Bands tief in den Schatten stellt.

Auch das liegt in Klares Biografie begründet: "Als ich mich entschied, professionell Musiik zu machen, war ich zwar noch nicht alt, aber auch nicht vorbelastet. Handwerklichkeit war mir nie wichtig. Ich war keiner dieser talentierten Zwanziger, die von einem Orchjester ´zum nöächsten gereicht werden. Ich musste nie mit der Angst von mangelndem Erfolg leben, sondern wußte immer ganz genau, warum ich das mache. Das ist zwar nicht immer ganz einfach, gereicht mir aber hier zum Erfolg."

Wolf Kampmann, Jazzthetik, Mai 2011

Klankexplosies, Energiebundels en Geluidsorkanen

Twee jaar geleden kwam de debuut-cd van de forse Duitse band The Dorf uit. Saxofonist/dirigent Jan Klare leidde toen zijn troepen op soms wat rommelige, maar bijzonder aanstekelijke wijze door grote klankexplosies, energiebundels en geluidsorkanen met een hoog rock-gehalte. 'Le Record' is veel strakker en georganiseerder dan de voorganger, maar gelukkig heeft de band aan kracht en energie niks ingeboet. Al vanaf de opener, 'Now', is duidelijk dat de ritmesectie nog steeds staat als een huis (wat zeg ik: bunker) en de blazers zorgen voor een zeer eigen geluid.

'Maar gaandeweg het album blijkt The Dorf meer in huis te hebben. Er is een veel betere balans in dynamiek, doordat op gezette tijden kleine plukjes uit het orkest in petit comité muziek gaan maken. Zo krijgen in 'Feed' de strijkers een hoofdrol toebedeeld, en zorgt de elektronica (synthesizer en gitaareffecten) ervoor dat het niet al te klassiek wordt. Op een zelfde manier voorkomen de straffe staccato blazerspartijen dat 'Deep' een veredeld loungenummer wordt. Het getuigt allemaal van zin voor avontuur, en gevoel voor humor. Dat laatste is vooral prominent aanwezig in het hilarische 'Pulk' met zijn hoempa- blaaspartijen en Spike Jones-achtige interrupties.

Herman te Loo, JazzFlits Nr. 157, 9. Mai 2011

Die Soziale Skulptur

"Le Record" ist die zweite Veröffentlichung des vom Saxofonisten und Komponisten Jan Klare ins Leben gehievte Projekt The Dorf", das aus einem locker zusammengesetzten Kollektiv von bis zu 25 Musikerinnen besteht. Das Konzept ist relativ simpel - "Das ist keine Band sondern ein Dorf", wie Jan Klare die Formation bezeichnet.

Auf dem Dorfplatz, wo sonst Marktstände oder Jahrmarktbuden stehen, kommen die Musiker zusammen, einige bleiben, andere ziehen weiter. Mittendrin regiert der Dorfälteste Jan Klare die "soziale Skulptur", die als öffentlich wahrnehmbares Kunstwerk einen eigenen, gewissermassen Anti-Big-Band-Sound aussondert.

21 Individualisten spielen sich auf "Le Record" durch ein Repertoire, das fast komplett auf dem Mist von Jan Klare gewachsen ist. Der fast 6 Minuten dauernde Titel "Back" ist eine Kollektivimprovisation, in der jedermann seine instrumentalen Stärken ausspielen kann. Hier scheint sich die Philosophie von The Dorf zu bündeln, die sich aus den Kompetenzen jedes einzelnen und dem Klanggedanken von Jan Klare zusammensetzt. Mal hört sich die Band an wie eine aus den Zügeln geratene Dorfkapelle, dann wieder wie ein der neuen Musik verpflichteter Instrumentalklangkörper. The Dorf befriedigt nicht nur neugierige Erstkonsumenten, sondern auch die Musikfreunde, denen kein Ton und kein Cluster und kein Lärmgerüst mehr fremd ist. Kein musikalisches Thema wird als wild gewordene Sau durch das Dorf getriebenn, in nahezu ausgewogener Klarheit mischt Jan Klare vielmehr traditionsverknotete Dorfkapellenmusik mit der Experimentierlust kompromisslos denkender Individualisten, Wer spektakuläre Paukenschläge liebt, liegt mit The Dorf auf der richtigen Seite der Avantgarde.

Klaus Hübner, Jazzpodium, April 2011

Incredibly Entertaining

Expansive, baroque, heavy metal attitude, sophisticated, crazy, wild, mad, disciplined, exuberant, rock, volume and power, restless and violent, gloomy and doom, humor and don't-take-yourself-too-seriously, relentless energy and drive. Zappa meets Carla Bley meets Miami Vice meets Global Unity Orchestra meets Metallica meets Schoenberg meets your local brass marching band.

You get the gist. Sometimes you think the thing is fully composed and arranged but the musicians are so mad and crazy that they want only one thing and that is to ignore all agreements and most of all the conductor, because sounds bounce and sprout in every direction yet it all fits full of frenzy, rhythms and more madness.Yet you can never pin it down completely : there is just too much, including some counting as in a Philip Glass composition ("Count"), as incredibly dark atmospheres of utter despair ("Back"), as complete fun and humor ("Spin"). The album's great variety is unfortunately also somehow its weakness. There are too many variations to make it an artistic whole, yet every part of it offers incredible listening pleasure. Incredibly entertaining.

****

Stef Gijssels, All About Jazz, 3. März 2011

Plenty Of Punch

What an easy CD to review. This is one of those albums that is easily digested and has a wide appeal, in fact 'Dorf' means 'Village,' so maybe something for the whole family? Here we find brass bands, prog-rock (aka—rock in opposition), jazz, (a little) free, and plenty of punch (helped by an excellent recording). This is a 21 piece big band led by Jan Klare that literally rocks, making your speakers vibrate with lovely grooves and the joyful noise that the group produces, you can hear that everyone is having plenty of fun. The compositions are reasonably strong, and as with many large ensembles the trick here is the use of instrumental colours and combinations to develop ideas, the rockier direction the music takes make the album stand apart from other big band albums.

The music is as already mentioned a real mix between several worlds and really blurs the areas between rock and jazz. An excellent example is to be found in the piece 'Spin' which builds from simple, almost humorous, question and answer phrases slowly becoming heavy guitar based riffs with a New Orleans second line strut(*) rhythm! The track then features a blistering guitar solo (backed by the massive brass section) that Ritchie Blackmore would be proud of, however there are not many featured soloists here. In fact much of the music is almost cinematic, developing like a film that gradually introduces it's characters and plot. The titles are short and descriptive such as 'Now'—an eight minute riff using one chord, 'Deep'—a lovely ballad, 'Riff'—James Bond meets punk?, 'Count'—which is exactly what they do, 'Feed'—sounds like an out-take from King Crimson's 'Larks Tongues in Aspic,' violin and all! There's plenty to delve into and the music's blurred boundaries mean the album can be enjoyed by many people, and yet it makes no compromises.

The musicians (too many to mention) are excellent, violin, cello, trumpets, saxophones, 3 guitars, 3 Electronics, Synths etc, and of course you get a very powerful rhythm section which includes two drummers and two bass players! Leo Feigin and Jan Klare tell me there is a booklet that goes with the CD (although I don't know about the mp3 download**).

Tags for this could be—Exploding Star Orchestra, Loose Tubes, Carla Bley Big Band.

***a1/2

Joe Higham, All About Jazz, 3. März 2011

Los Dorf

......Las formaciones alemana The Dorf y portuguesa Lisbon Underground Music Ensemble con veintiún y quince miembros respectivamente están más cercanas a la concepción de las big band. Ambas acaban de publicar su segundo (Le Record) y primer trabajo (el homónimo Lisbon Underground Music Ensemble). Ambas tienen unos fuertes puntos de contacto con la música pop y rock. Los portugueses con Frank Zappa y la dance music, mientras que los alemanes muestran las influencias del heavy metal y el rock progresivo. A ello se unen otros elementos como el funk o el boogie, y también la clásica contemporánea, que logran en ambos CD una música muy variada, pero sobre todo llena de swing.

Ambas formaciones reunen a un buen elenco de solistas, aunque lo que destaca en las grabaciones por encima de las intervenciones individuales es el sonido de los dos conjuntos. Los músicos, tanto en las partes arregladas como en las libres, son capaces de crear unas masas vibrantes de sonido, muy intensas por momentos, que sirven para realzar las composiciones de Marco Barroso y Jan Klare.....

Pachi Tapiz, Buscando un nombre, lunes 14 de marzo de 2011

20 Mann auf des Jazz-Clubs Bühne

Jan Klare vereint in "The Dorf" die besten Landesmusiker zu einer Big Band

MÜNSTER. Die erste Großtat hatte "The Dorf" lange vor Konzertbeginn bereits hinter sich: Den 20 Musikern plus Ihr ausladend üppiges Equipment war das Kunststück gelungen, sich auf oder zumindest in unmittelbarer Nähe der nicht eben großen Bühne des Hot-Jazz Clubs unterzubringen und dabei noch ein Plätzchen für ihr Mastermind, den Komponisten, Arrangeur und Dirigenten Jan Klare zu reservieren. Es sollte nicht die einzige Großtat an diesem Abend bleiben...

Der spezifische Sound der Kompositionen Jan Klares für „The Dorf“, der den Raum zwischen Gil Evans und Frank Zappa neu definiert, kommt dadurch zustande, dass Klare seinen Musikern genügend Freiräume zum interagieren lässt, diese Freiräume aber in einem stringent durchkomponierten Rahmen organisiert. Wer jetzt befürchtet hatte, einer schrecklich verkopften Projekt-Band lauschen zu müssen, sah sich allerdings eines Besseren belehrt.

Von den ersten Takten an hatte „The Dorf" richtig Spaß an dem Feuerwerk, das die Band auf der Bühne abbrennen durfte. Mit atemberaubender Geschwindigkeit stürzten sie sich in die vertracktesten Läufe, die sich unversehens in zart getupften Klangflächen auflösten, nur um im nächsten Augenblick als Absprungplattform für aberwitzige Metal-Soli zu dienen, die ihrerseits wiederum das Fundament für Groove betonte Passagen legten.

Das mit gleich drei Bassisten und Gitarristen, zwei Elektronikern, Keyboard, Violine, Cello sowie einer umfangreichen Bläsersektion besetzte Ensemble stellte dem Komponisten und Arrangeur eine übergroße Palette von Klängen bereit.

Jan Klare nutzte diese, malte nach gerade impressionistische Klanglandschaften. Natürlich nicht ohne diese im nächsten Atemzug unter massivem Einsatz der Live-Elektronik zu ironisieren. Ganz, ganz großes Kino für die Ohren!

Stefan Herkenrath, Westfälische Nachrichten, 23. Februar 2011

Jan Klare dirigiert die Wilde 20

Konzert: Jazzband The Dorf stellte sich vor

MÜNSTER. Die kleine Bühne im Hot Jazz Club gleicht auf den ersten Blick der Abstellkammer einer Musikaliengroßhandlung.Eine verwirrende Vielfalt an Mikrofonen, Kabeln und Notenständem. Ein paar Instrumente stehen herum wie vergessen und nicht abgeholt. Hier sollen sich 21 Musiker zurechtfinden? Gemeinsam spielen? Miteinander harmonieren? Die Jazzfreunde sind sich sicher: Bandleader Jan Klare wird's schon richten.
Das jüngste Projekt des Münsteraners heißt "The Dorf". Immerhin auch schon über vier Jahre alt. In dieser Szene fast ein methusalemisches Alter. Gegründet wurde es im Dortmunder Club Domicil. Aus diesem Umfeld stammen die meisten Musiker der Band. In Münster stellt sich die Gruppc zum ersten Mal einem Publikum vor. Und hinterlässt einen groBartigen Eindruck.

Keine Konventionen

Wie die Heringe stehen die Musiker auf der Buhne. Einige müssen aus Platzmangel auf die Seiten ausweichen, spielen in direkter Tuchfühlung mit den Besuchern. Ein Geiger zum Beispiel. Ein ungewohnter Anblick fur eine Jazzband. Was er zu spielen hat, ist noch ungewöhnlicher. Aber auch seine Kollegen, die instrumentell fast alles abdecken, mit dem Jazz gespielt wird, konnen sich nicht beklagen.^Wer in diesem Projekt mitarbeitet, muss über den Tellerrand hinausblicken, muss individuelle Größe zeigen und Gruppendynamik nicht als soziologische Fachvokabel abtun, sondern als Spielkonzept verstehen. Und er muss Konventionen wie Kombüsenabfall über Bord werfen.
Der Bandname animiert zu Metaphern und Assoziationen. Was fällt einem dazu alles ein: lyrische Stimmung, friedliche Abgeschiedenheit, überschaubare Strukturen. Nichts davon uberdauert die ersten zehn Minuten der Big-Band-Beschallung. All diese Gedanken werden hinweggefegt wie Straßenschilder von einem Tornado. Krautrock, Punk- und Free-Jazz, Fusion - Klares Gebräu ist grenzübergreifend, vereinnahmend, nervös, rücksichtslos gegenüber jedem, der ihn etikettieren will.
Ungewöhnlich auch die Tatsache, dass Klare ohne Instrument auf der Bühne steht. Sein Altsaxofon und seine Querflöte haben Pause. Er dirigiert seine Kompositionen. Hinter Notenblättern mit den Ausmaßen eines Wandteppichs.
Die Arrangements sind kompakt, kompliziert, konstant gut. Wie an den Fäden eines Puppenspielers gezogen, hüpft der Maestro im Takt auf und nieder, hält seine "Wilden 20" in Schach, scbwankt hin und her wie ein Promillesünder, gestikuliert wie Frank Zappa und gibt Kommentare ab wie ein Comedian: "Jetzt müsst ihr ganz tapfer sein", rät er den Zuschauern und gibt den Weg frei für die nächsten Salven aus seiner schier unerschöpflichen Ideenkiste.

Unterhaltsam

Lachsalven sind auch darunter und akustische Gimmicks, die "The Dorf' zum Unterhaltsamsten machen, was die deutsche Jazzszene zur Zeit zu bieten hat. Musik mit Spaß gespielt und mit Freude vernommen. Klare Worte.

Klaus-Peter Heß, Münstersche Zeitung, 21. Februar 2011

The Dorf: Unter dem Jazz liegt das Kraut

Drei Konzerte in einer Woche künden von der neuen Albumveröffentlichung von The Dorf auf Leo Records, charmanter Weise „Le Record“ getauft. Jens Kobler sprach beim Cappuccino in einer Bäckerei neben dem Dortmunder domicil mit Jan Klare.

Eine sehr große Band mit vielen bekannten Musikern – da sind Konzerte in der Regel doch etwas Seltenes, oder?

Wir spielen halt einmal im Monat im domicil, und das ist auch die Grundlage dafür, dass wir als „working band“ ein Repertoire entwickeln können. Wir sind ein fester Stamm von 25-30 Leuten – und wer am Termin des Gigs kann, der kommt halt. Der erste Gig war im November 2006, und direkt im ersten Sommer haben wir unsere erste CD aufgenommen. Wobei es damals schon sehr lange gedauert hat, bis sie erschienen ist. Einfach weil es sehr lange dauert, so etwas abzumischen. Anderthalb Jahre später haben wir dann begonnen, auch woanders zu spielen, z.B. beim J.O.E.-Festival und bei Essen.Original. Danach gab es dann auch einige Gigs im Ausland.

Bei meinem ersten Interview für 2010LAB – mit Eva Kurowski – sprachen wir auch darüber, dass so eine Residenz etwas sehr Wichtiges ist, gerade wenn schon etablierte Musiker in Ruhe etwas entwickeln wollen…

Ja, das ist super. In der ersten Zeit habe ich einen „Real Book Zyklus“ gemacht; der Name und das Konzept beziehen sich auf das Jazz-Standardwerk für Session-Musiker. 500 Stücke stehen darin, ursprünglich zusammen gestellt von Steve Swallow und Paul Bley in den Siebzigern. Wir haben das im domicil erst einmal von A bis Z durchgespielt. Das war für das ständig wachsende Publikum interessant, aber auch für uns, weil die Musiker ständig wechselten und wir so herausgefunden haben, wer was mit wem am besten machen kann.

Wie genau ist denn Deine Rolle dabei zu sehen, und wie ist das Verhältnis von Komposition zu Improvisation?

99% der Stücke sind von mir und auch größtenteils schon ausgearbeitet. Ich schicke diese halbwegs doch noch groben Kompositionen herum, die anderen drucken sich das aus und bringen dann etwas zum Gig mit. Kurz vorher wird dann probiert, wer welche Stimme spielt und wie es klingt, was man herausschmeißt und was man leicht ändert. Vor dem Gig wird zwei Stunden lang geprobt, dann essen wir, und dann wird gespielt. Also pro Stück etwa zehn Minuten, und deshalb geht die Premiere eines Stückes eigentlich immer schief. Ab dem dritten Gig etwa merken wir dann, ob das Stück eine Zukunft hat.

Zur aktuellen CD: Wie habt Ihr Euch da positioniert? Und findest Du, dass es schwierig ist, mit einer unbestritten guten, aber in kein Format passenden Sache gerade aus dem Ruhrgebiet heraus gehört zu werden?

Leo Records ist ein schon in den Siebzigern entstandenes, schon am Free Jazz orientiertes Label des Exilrussen Leo Feigin. Ich weiß da jetzt gar nicht genau, wer das wo vertreibt. Leo macht da auf jeden Fall nach wie vor viel selbst. Die Diskussion, in welchem Format man das herausbringen soll, … Das ist natürlich eine schwierige Sache heutzutage.
Zu den Reaktionen: Der WDR hat zur ersten CD sogar einmal etwas von uns aufgenommen, aber nicht gesendet. Es mag sein, dass das anders passiert wäre, wenn wir aus Köln kämen – aber es ist auch leicht, immer zu klagen. Das ist alles nicht ganz falsch, aber man muss sich auch entscheiden. Wenn Du in bestimmte Verteiler reinkommst, dann musst Du auch immer auf diese Partys, wo bestimmte Journalisten rumhängen und so… Das ist die eine Entscheidung. Und dass Rezeption und Erfolg von Musik nicht vor allem mit Inhalten zu tun hat, das ist ja auch klar. Da moralisch zu argumentieren ist auch unzeitgemäß. Wir sind ja nicht mehr in den Sechzigern, und heutzutage wird so etwas immer zu einem Eigentor.

The Dorf ist ja auch eine etwas sperrige Sache, auch organisatorisch. Musikalisch betrachtend habe ich da gestern einer Freundin gegenüber so ein Spannungsfeld oder –dreieck aufgemacht: Folkwang – Free Jazz – Big Band. Da widerspricht sich meiner Meinung nach alles. Ist so etwas auch das Spannende, die Herausforderung für die beteiligten Musiker?

Aus der Musikersicht ist das alles immer noch etwas anders. Free Jazz ist heutzutage quasi der neue Mainstream. Niemand kann sich mehr hinstellen und sich so einfach auf die Wurzeln des amerikanischen Jazz beziehen. The Dorf wiederum hat sicherlich etwas mit frei improvisierter Musik zu tun, befindet sich aber nicht in der Tradition des Free Jazz. Der Gattungsbegriff bezieht sich eher auf eine politische Haltung aus den Sechzigern und Siebzigern, hier verbunden mit Namen wie Brötzmann.
Die amerikanische Parallele wäre halt Ornette Coleman. Was speziell ich aber mache, würde ich eher in der Tradition des Krautrock verorten. King Crimson, Art Bears, Henry Cow – so etwas hat mich inhaltlich mehr beeinflusst. Ich bin halt von Haus aus Saxophonist – da kommt man schnell in diesen Jazzbereich rein. Hinzu kommt, dass alles, das mit Improvisation zu tun hat, schnell dem Jazzbereich zugeordnet wird.

Gestern habe ich dann auch Supernova erwähnt, und dass das ein „fransigeres“ Projekt war, wo The Dorf „monolithischer“ wirkt. Bei Supernova waren ja ähnliche Siebziger-Bezüge zu bemerken, etwas Kommunen-hafter vielleicht, wo es jetzt mal eher „klatsch!“ und in durchaus harte Gefilde geht.

Supernova als Projekt von Peter Eisold und mir war im Grunde sogar ausformulierter, genau für diese Besetzung geschrieben und viel detaillierter geprobt. Das war für uns damals viel komplizierter, auch ziselierter. Der Unterschied ist auch, dass wir bei The Dorf bewusst Kräfte bündeln wollen. Supernova wurde irgendwann sehr anstrengend und kompliziert.
The Dorf ist leichter zu organisieren, aber auch rauer und primitiver. In kleinen Räumen wird es dann schon recht laut, und wir spielen in der Regel zwei Sets á 50 Minuten – da geht natürlich schon einmal jemand raus. Wenn die Band super abgemischt ist, klingt das schon anders, als wenn sie manchmal vor Dir steht wie eine Wand. Die ersten beiden Gigs der Tour sind jetzt in Räumen und mit Anlagen, die wir nicht kennen. Das wird spannend. Der dritte ist dann im Saal vom domicil, da wird das Ganze etwas zelebriert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Jens Kobler, Mittwoch, 16. Februar 2011, 23:29, www.2010lab.tv

I love, love, love

Oh que j’aime, que j’aime, que j’aime ce second disque de l’orchestre actuel The Dorf! Nettement supérieur au premier (qui n’était toujours pas mal), Le Record offre une puissante heure de big band actuel où free jazz rencontre rock-in-opposition. Dirigé par Jan Klare, dont l’écriture s’est raffinée dernièrement, The Dorf offre un ensemble de corps - un son de groupe - captivant. Très puissant dans “Feed”, frivole dans “Pulk”, méthodique (et la méthode, ça peut fesser fort!) dans “Count”, complexe dans “Spin” - chaque pièce apporte sa nouvelle approche et son lot de surprise. Le Record établit The Dorf comme une version plus “trash” du Satoko Fujii Tokyo Orchestra. Chaudement recommandé! [Ci-dessous: Un court extrait de l’album, gracieuseté de Leo Records.]

Oh do I love, love, love this second CD by avant-big band The Dorf. Much better than their debut (which wasn’t bad, mind you), Le Record delivers a powerful hour of creative big band jazz meets rock in opposition. Led by Jan Klare, whose writing has achieved a new level of sophistication lately, The Dorf possesses a solid group sound. Quite powerful in “Feed”, frivolous in “Pulk,” methodical (and a method can be hard-hitting!) in “Count,” complex in “Spin” – each track opens a new approach and carries its load of surprises. Le Record establishes The Dorf as a trashier version of the Satoko Fujii Tokyo Orchestra. Highly recommended!

Monsieur Délire, Februar 2011

Freaking Up The Tension

The Dorf is a Big, no! a Huge Band. They describe themselves as a Village where people come and go with still a sense of community, an entity on its own. This community group plays monthly in the Dortmund Jazz Club and is still led by Jan Klare.

The first track, “Now” shows the huge band, led by brass and communal conversations of improvisation while the guitars repeat a monotone, fast 4/4 oscillating rhythm. The band is more like a jazz band who plays like a rock band. Also the energy often is pushed to a wilder energetic level, freaking up the tension. Some electric guitars at a point takes over the lead only to have another melodic response on brass. These oscillating guitars give this piece something minimalistic while the band enjoys the freedom they can add on top.

The second track, “Spin” is somewhat vaguely melodically evolving with several individuals playing a separate continuation part. The guitar pushes the piece up again rhythmically together with the drums, and there are also electric solos this time, but leaving the lead melodic part to the brass arrangement again.

The third track, “Deep” is much slower with long electric notes, brushed rhythms and lounge keyboards, then with some brass coming in, before the track breaks again into separate individual continuations with each note and accents by different instruments, before the theme concludes itself while leading back to the first part with slightly more harmonic full band arrangements.

The fifth track, “Riff” has a wilder pushing electric bass rhythm and a chaotic freaky improvisational element which tends to become berserk and chaotic amongst a returning to the lead brass theme and a simple fast stomping rhythm finding ground.

“Count” is one of the stranger tracks, based upon counting, with mostly a slow and steady 2/2 rhythm (while the band at some stage is counting from 1 to 4), where the band improvises around it, again with here and there some separated instruments and their accents or notes one by one, with the full band sound being heard only sporadically. The chosen rhythm is pretty linear and unusual for jazz which in a bigger concept of creative band members it usually does not limit itself that much. So also this has another Terry Riley-like minimalism incorporated, but perhaps also reveals a strong dominance by a band leader for it has just one direction. With so many members and each still having its rightful place, mixed perfectly also, this still works very well.

“Pulk” I think is another unusual track. It clearly describes a circus, first with a circus theme, then with different actions as if something visual is happening, say a clown. This is first more theatre than composed music. We hear a straw flute theme, -the clown-, with responding brass instruments like reactions of the public or witnessing band, then many different actions are shown with certain cacaphonic fun of happenings creating confusion to the senses, a form of chaos, until a fast round-walking rhythm returns the actions to a marching rhythm band with a strong and returning focus to a circus melodic theme. I really love this track because so much is happening and it is very unusual compared to normal jazz. I would love to hear a full album like this.

“Feed” is again very different, starting with a cello/violin contemporary music duet adding new, somewhat chaotic sounds and elements, including slowly played feedback on electric guitars, until the band finds a rhythmic focus, on which the electric bass guitar and such pushes forth the energy and a trumpet improvises freely, up to a wild and then also sudden conclusion.

Also the last track “Back” starts with confusing rather electric tension of creation out of chaos finding different elements and rhythms, then harmonies and themes including a lead solo by violin with trumpet leaves us to a lasting shadow of the unborn, leaving tones and wobbling rhythms to fade away with the scene.

The band through experience surely gained power and also their entity as a voice is more distinctive. Well done and well mixed.

Gerald Van Waes, Psyche Music, Januar 2011






>>>> Presse für das Debut Album <<<<

Whew!

They go out under a funny name (rather than as the Jan Klare Big Band) and they're on Leo. So you're not going to like them. Too "avant-garde", scratchy and abstract. Right? Wrong. This ist he most exciting record Leo Feigin has ever released. That's not to say it's the subtlest or he most important but certainly the most rawly exciting, contemporary big band music of the most compelling sort.

"Going out" isn't strictly what The Dorf do. They meet up once a month at the Domicil club in Dortmund, whoever turns up from a pool of about 25 players. Klare handles the charts and "air movement" (which is a nice variant on old fashioned conducting or new-fangled conduction), and the whole thing roars along like a Heinkel. There are substantial free passages, like the blarting that comes towards the end of "Torn“, a hippos' parliament of low wind sounds (no trombones in this band), and there are elements of self indulgent theatre, not unreminiscent of the Willem Breuker Kollektief, but the prevailing aethetic is more like the Mike Gibbs band of the early 70s. The guitarists are more Chris Spedding than Freddie Green and the drumming is mostly anchored on heavy backbeats, but Klare's writing is n't without subtlety and while "Blast“ is pretty much that, there are more delicately inflected things elsewhere, particularly on "Film" and "Technoid“.

A slightly different line-up on the live video track that's included as a bonus, recorded at home base, but it's the studo stuff that makes the record spezial. Whew!

Brian Morton, JazzReview, UK, 2009

‘The Dorf’

The Dorf is het huisorkest van de Dortmundse club Domicil. De bezetting varieert van 15 tot 25 muzikanten waarvoor geput wordt uit een reservoir van trompetten, saxen, elektrische gitaren, cello, viool, percussie, keyboards en elektronica. Leider is Jan Klare die ook de muziek schrijft.

Heel eenvoudig kan de muziek van The Dorf omschreven worden als een mengeling van jazz, rock en vrije improvisatie, maar dan niet in de gedaante van hip, neuzelend of dance-achtige behang. Klare's band ligt meer in de lijn van Frank Zappa of Peter Vermeersch' X-Legged Sally. De stukken bestaan uit aaneengeregen episodes (soms erg verschillend van karakter), de melodieën neigen naar het atonale en worden bij voorkeur gespeeld door hele groepen muzikanten: unisono of in mixturen. Wat bij The Dorf echter ontbreekt zijn het virtuoze, ritmisch scherpe van Zappa en de complexe structuren van Vermeersch. Het wordt allemaal net iets overzichtelijker gehouden. Met de pompende blazers heeft The Dorf ook iets van de onlangs overleden George Russell, maar hier mist het orkest dan weer de knallende solisten waarover de Amerikaan wel kon beschikken.

Hiermee worden meteen de zwakkere kanten van het orkest blootgelegd, zoals de soms minder presterende solisten: een saxofonist die zichzelf voorbijschiet in de articulatie of een vlakke ritmiek van de trompet. Dit probleem wordt voldoende opgevangen door de focus te leggen op het orkest, meer dan op de individuele muzikanten. Dat daarbij ook meer ingezet wordt op kracht dan op nuance is een tweede minpunt, zeker in combinatie met de af en toe slordige uitvoering die echter nooit echt storend wordt. Compositorisch blijven er mogelijkheden liggen zoals een meer polyfone uitwerking, iets wat gedeeltelijk wordt geneutraliseerd door de verscheidenheid aan muzikale basisideeën. Nu eens drijft een compositie op een ritmisch ostinaat, een sitarachtig dronegeluid, een riff of een harmonische lijn, dan wordt er gekozen voor een hectische zapstructuur zoals in het sterk improvisatorische 'Miniatures'.

Ondanks de tekortkomingen is alleen de vlakke, dance-achtige sci-fi jazz van 'Torn' een echte tegenvaller. Bijzonder aanstekelijk klinkt 'Blast' met een ritme dat er tot in het chaotische ingeramd wordt, punky noise, beukende blazers, '70s lounge kitsch en generiekmuziek van Amerikaanse tv-series. In deze eclectische variatie laat de band zich op haar sterkst horen. Polyfoner klinkt de groep in 'Licht' dat draait rond (en op) een centrale basriff. Door de steeds wisselende bovenbouw ontstaat een gelaagdheid die de muziek een extra dimensie geeft. Bovendien krijgt de luisteraar hier ook een goed ontwikkelende tenorsaxsolo te horen die daarbij aardig geholpen wordt door de elektrische gitaar.

Als extraatje is op de cd ook een videoregistratie van 'Ahead or Behind' te zien. Het geeft een mooi beeld van hoe het er in de band aan toe gaat en laat nogmaals de sterktes en de zwaktes van de cd en de band horen. In het meer bescheiden, preciezere werk van het begin komt de band nog wat te kort, iets wat uitvergroot wordt door de mindere opnamekwaliteit. Wanneer de hele groep in de weer is en er stevig gerockt mag worden, dan slaat The Dorf gensters. Met deze titelloze plaat verdienen ze echter het voordeel van de twijfel.

Koen Van Meel, www.kwadratuur.be, 13.08.2009

Carrying the torch

Economics has long since spelled the end of the traveling big band, back when players held down their seats in the orchestra for years at a time and worked five or six nights a week nearly 52 weeks a year. One could argue that Jazz has never entirely recovered from the big band’s demise. But what has arisen in its place is the occasional big band, working now and then with a core set of players, generating over time a continuity of experience that may not match the cohesion of the Count or Woody or Kenton, yet they share a common vision of their communal music. From Thad Jones-Mel Lewis to the Italian Instabile to the Brotzmann Tentet, these occasional orchestras are carrying the torch and creating some of the most exciting music in Jazz.

The Dorf is one such ensemble. This collective has been meeting once a month at Jazzclub Domicil in Dortmund, Germany, since November of 2006. The line-up grows and shrinks from 15-25 players, but Jan Klare seems to be the driving force. Klare does all the composing, as well as what he terms “air movements” which most of us would probably call conducting. The music oncould best be characterized as a Germanic take on the Italian Instabile style, mixing hints of Northern European Folk music, some Rock licks, dada lyrics and group scatting, a bit of ominous electronics, and a lot of loose Jazz horn ensembles. It all adds up to 50 minutes of fun, with a 15-minute CDRom performance attached. This one is worth checking out, and The Dorf is worth watching out for more.

Phillip McNally, Cadence, 07,08,09.2009

"The Dorf" begeisterte im Goethe-Bunker

Wenn sich ein Ruhrgebiets-Musikerkollektiv trocken "The Dorf" nennt, dann spricht das für ein gesundes Selbstbewusstsein, gepaart mit feinem Sinn für Humor. Was das mit rund zwei Dutzend heimischen Jazzern aberwitzig besetzte Orchester unter Leitung des famosen Klangtüftlers Jan Klare jetzt im Goethe-Bunker präsentierte, das ließ den massiven Bau erbeben und sprengte so ziemlich alle Big-Band-Klischees.

Drei Gitarren, Bässe und Drums jeweils im Doppelpack, dazu Exotisches wie Sousaphon, Electronics und Schweineorgel, garniert mit Geige und Cello plus das übliche Gebläse sorgten für einen Höllensound, der klang wie Duke Ellington auf Speed trfft Trash-Metal, garniert mit Free Jazz. Ein faszinierendes Wechselbad der Gefühle, in dem zarte, geradezu intime Passagen mit bombastisch geschichteten Klangkaskaden um die hingerissenen Zuhörer buhlten und sIch dabei bestens vertrugen. Der überzeugenden Synthese aus unbändigem Spielwitz voller Ironie und packenden Grooves sei Dank, die Intellekt wie Bauch gleichermassen anschrie... pardon: ansprach. An diesem grandiosen Abend manifestierte sich lautstark, dass "The Dorf" so ziemlich der beste Botschafter ist, den sich die künftige Kulturhauptstadt für die internationale Jazz-Szene überhaupt nur wünschen kann: weltoffen und unglaublich modern.

Sven Thielmann, 23.06.09

All Hail The Dorf

We got this CD from Leo Records with no explanation (in fact, if anyone’s got the names of the tracks, we could use them). So, what do you do? You drop the disc in the player and expect … well, in my case, I expected one or two players, doing acoustic experimental improv, or maybe a thick-blanket of electronics/synth sounds.

Nope. The Dorf is an avant-garde party band!

Once you get into the second track, you’re exposed to electric guitar jitters with a hint of punk, followed by a danceably jazz-fusion middle. The fourth track goes outright disco, with that pulsing “one-one-one” beat and some funky ’70s horn charts. Touches of “regular” big band charts touch a couple of tracks, and you do have some Euro-experimental songs too — one track is a shimmering drone, another full of fragments of tunefulness with lots of white space.

The explanation, provided on the Leo site, is that The Dorf is a monthly happening at a jazz club in Germany, led by Jan Klare. You do get the sense that this is well practiced music played with gusto, a band that’s doing more than just a one-off set of tunes. The band certainly has its artsy side, but I’m thinking this picture describes them pretty well.

wedgeradio, 25.05.09

*** ENORME

Orchestre de 22 musiciens dirige par Jan Klare

Enorme et puissante machine, roborative comme un bon coup de schnaps par temps froid, The Dorf est un big-band a geometrie variable qui se reunit un jeudi mois au par club Domicil de Dortmund pour repeter,manger ensemble, et donner un concert le soir. D'ou leur nom d'origine: Off Domicil Orchestra. Une reunion de 15 a 25 tres jeunes (et moins jeunes) musiciens, places sous la houlette de Jan Klare (par ailleurs saxophoniste ne en 1961) qui compose le repertoire et conduit son monde d'une main de fer. lmpressionnant des l'Overture par sa puissance, il faut s'accrocher ensuite pour suivre l'orchestre a tombeau ouvert dans Blast, une tornade.

Les rythmes sont carres et lourds, les masses sonores sont fondues entre elles, les six saxophones, quatre guitares, trois basses et trois claviers accentuant le cote pesant tandis que parfois une trompette tente de jouer des coudes. Des moments plus calmes, aeres, permettent de savourer la richesse d'harmonies luxuriantes. Originale, mais tres accessible, la musique et la demarche de cette formation ne sont pas sans rappeler, par l'esprit, notre Sacre duTympan. Une video d'un quart d'heure montre l'orchestre se produisant dans son club.

Jean Buzelin, Jazzman, FR, 06.09

Wild

The Dorf is a rather big, big band based in Dortmund, Germany, who gig once a month at that citys Domicil Jazz Club. With a pool of roughly 30 players to draw upon, composer and instigator Jan Klare pulls together a unit of perhaps l5 or 20 musicians once a month to bring his widely-ranging pieces to life.

The music is a boisterous stew of lafter-day Gil Evans, a dash of Frank Zappa, heavy rock rhythms with lots of guitars, madcap chanted vocals straight out of a Carlo Actis Dato project, and a lot more. The powerful ensemble is tamed just enough by Klare, whose credit reads "air movement". You can get a sense of the controlled chaos that Klare unleashes from an embedded video on the CD with a nearly l6-minute track filmed at one of their club gigs featuring many of the same players featured on the studio date plus the wordless vocals of Moo Lohkenn. Ahead or Behind is a rave-up theat´s more Sun Ra meets a Pink Floyd influenced rock band after everyone´s had a couple of cocktails. Wild.

IAJRC Jounal, 06.09

XXXL-Big Band

Stan Kenton goes Don Ellis goes Ruhrpott goes electronics goes speed, naja, oder so ähnlich. The Dorf, das XXXL-Big Band Projekt von Spiritus Rector, Leader und Komponist Jan Klare, das sich im Dortmunder Domicil in immer wechselnden Formation zu irgendwo zwischen 15 und 25, manchmal auch 30 MusikerInnen zusammerottet, ist definitiv ein Sound-Erlebnis. Garantiert nix für the wee-wee-hours, nix für mondänen late night background, sondern ein gigantisch tösendes Kraftwerk. Hammerhart, mit getürmten Arrangements und einer gnadenlosen Dynamik. Energie, Kraft; Dampframmenmusik an manchen Stellen. Keine Kompromisse, keine Gefangenen. Westfälischer Grobianismus im Blechblasgewande, Grimmelshausen wäre begeistert gewesen.

Teilweise hört sich "Das Dorf“ an wie die zeitgenössische Umsetzung des Ideals der Kollektivimprovisation – Globe Unity, frühe Phase. Dazu aber auch fetter Orgelsound, spacy, weil mindestens zwei Keyboarder und auf dem angehängten Video noch zwei weitere "electronics“-Leute zugange sind. Und natürlich wird gesamplet, rückgekoppelt und mit jedem Effekteregler, der frei herumlungert, fröhlich gespielt. Im Idealfall ergibt sowas dann auch leicht trancehafte Passagen ohne allzu große kakophonische Verwirrungen, wie bei "Technoid“ zum Beispiel. Dann werden auch einzelne Instrumentenstimme vernehmbar, etwa wie die der von mir sowieso hochgeschätzten Katrin Scherer und ihrem Altsaxophon. Und drunter knallt knallhart der Rhythmus – denn "Das Dorf“ besetzt alle Stationen einer normalen Bigband gerne drei und vierfach: 4 Gitarren, zwei Bässe, zwei Schlagzeuge usw. Das ist aber schon okay, denn eine geschmeidige, dahinsurrende, gar subtil verfahrende Bigband à la Clarke/Boland will "Das Dorf“ gar nicht sein.

Experimentell ist zwar ein abgelutschter Begriff, aber deswegen noch lange keine unsinnige musikalische Praxis. Au contraire. "Das Dorf“ läßt es krachen, dazu braucht es auch keine programmmusikalisch umschreibenden Begleittexte, da darf man der Kraft und dem Potential der Musik schon auch so trauen. Gut so.

Thomas Wörtche

La Musica

Una volta al mese un gruppo nutrito di musicisti (di solito sul palco sono una ventina, ma il giro dal quale attingono è ben più ampio) si ritrova per provare, cenare e suonare in un club di Dortmund che si chiama 'Domicil.'

Sono guidati dall'arrangiatore tedesco Jan Klare e la Leo Records ha deciso di offrire loro una occasione importante per farsi conoscere, con la pubblicazione di questo album che comprende otto composizioni, tutte firmate da Klare. Sette sono presentate nella tradizionale forma audio, mentre l'ottava è presente nel CD come traccia video mpeg che può essere vista sul computer.

L'atmosfera è più quella delle formazioni allargate di Don Ellis, di Frank Zappa o dei Centipede di Keith Tippett che non quella delle big band jazzistiche tradizionali. Semmai qualche punto di contatto può essere trovato con le ultime formazioni di Gil Evans, quando la componente elettrica aveva preso decisamente il sopravvento. L'energia è spesso quella del rock e gli stilemi del jazz sono piuttosto lontani, presenti in qualche modo negli assoli dei fiati e nella tessitura orchestrale. Non mancano escursioni in territori assolutamente liberi, divagazioni che sfiorano la musica colta contemporanea.

Klare è un saxofonista ormai quasi cinquantenne, con alle spalle varie attività musicali che lo hanno visto coinvolto nella produzione del poco noto gruppo jazz-folk Gandalin. Nel 1987 Klare si è trasferito in Inghilterra e ha collaborato fra gli altri con Harry Beckett. Dal 1990 è tornato sul continente, lavorando ad Amsterdam e in Germania, dove ha collaborato anche con l'orchestra della radio WDR. In questo album si occupa solo della conduzione ("movimento dell'aria" lo chiama nei credits di copertina) e lascia le incombenze strumentali ai suoi musicisti.

'The Dorf' dimostrano di essere molto coesi e appassionati e la musica di questo album è davvero molto interessante, con ottimi assoli e un grande senso dell'ensemble. La presenza contemporanea di ben quattro chitarre e tre tastiere è una indicazione precisa di come il linguaggio sia modernissimo e attuale. Però non mancano tuba e violoncello, a ricordarci che la musica può avere colori e timbriche alternative a quelle solite che si ritrovano nel 98 per cento delle produzioni.

Dalle immagini del bel filmato che chiude il CD si può notare come buona parte dei musicisti impegnati siano molto giovani. L'avevamo già capito dalla musica che si ascolta nei sette brani precedenti. Precisiamo che dal nostro punto di vista questa è una variabile assolutamente positiva. Sono giovani, sono pieni di grinta e di passione ma sono anche competenti e scaltri. Cosa volere di più?

Valutazione: 4 stelle

Maurizio Comandini, All About Jazz Italia, 03.2009

Jan Klare Dörflich

Um ein Kind großzuziehen, braucht man ein ganzes Dorf, sagt ein altes Sprichwort Bei Jan Klare verhält es sich ein wenig anders, denn sein Kind ist das Dorf. THE Dorf genauer gesagt, dessen Einwohnerzahl immer ein wenig zwischen 15 und 20 fluktuiert. Das Kind macht sich.

Doppelt besetzt

Ein Dorf entsteht nicht aus dem Nichts. In Jan Klares Fall entstand es aus dem Großensemble Supernova, dass der Münsteraner im Jahr 2000 mit Schlagzeuger Peter Eisold gründete. Das waren l5 Leute, die zusammen diverse Gigs und eine CD schafften. Mit der Zeit wurde das Projekt allerdings zu anstrengend und auch zu divergent, so dass die Supernova erlosch “Obwohl ich jetzt sogar noch mehr Leute am Start habe, ist alles unkomplizierter und organsicher”, so Klare. “Das hat vermutlich weniger damit zu tun, dass ich allein verantwortlich bin, weil Peter und ich uns sehrgut vertragen haben. Ich denke. es ist wesentlich entscheidender, dass The Dorf mehr ein Pool von Musikern als eine feste Band ist. “Die nicht festgelegte Besetzung probt auch nicht im eigentlichen Sinne, sondern trifft sich nachmittags vor dem regelma8igen monatlichen Gig im Dortmunder domicil. “Als Pool ist das einfach: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So ist die Band für ihre Größe relativ unkompliziert zu handhaben”, meint Klare, der hier auch den Grund dafür sieht, dass die Musik im Vergleich zu Supernova etwas simpler geworden ist. Was durchaus praktischen Nutzen hat: Für The Dorf beschrankt sich Jan Klare auf mehrere Stimmen, die er nicht von Vornherein für Altsax, Flöte, Trompete etc. konzipiert und festlegt, sondern lässt die Melodien und Grooves sich zu Flachen verweben “Ich bringe die Melodien in C-Stimme, in Bb- und Eb-Stimme mit, damit ich variabel besetzen kann. Bis jetzt waren wir aber auch nie weniger als l3 oder l4 Musiker. Wir haben immer genug Spieler!

Region und Kollektiv

Bestimmte Stücke kennen ausnahmslos alle Musiker inzwischen aus jeder stimmlichen Perspektive. Wenn dann. einige Instrumente doppelt besetzt sind, die man sonst nur einfach in Bands findet - Bass und Schlagzeug etwa -, wird es für die Musiker besonders spannend. “So etwas verändert die Musik natürlich total”, erläutert der Bandleader. “Vor allem, wenn die Rhythmusgruppe doppelt besetzt ist, dann wird es im kleinen domicil brettlaut, das lasst der Videoclip gar nicht so erahnen.”(Der Clip be1indet sich als Enhanced-Feature auf Klares neuer CD). Fragt man Jan Klare nach dem recht griffigen Namen seiner GroDformation - mit Das Böse Ding und Jake Plavmo betreibt er bereits zwei andere Formationen mit gleich hohem Merkfaktor im Namen -, kommt eine längere Geschichte zum Vorschein. The Dorf hieß früher nämlich Off Domicil Orchester, weil es an das Dortmunder domicil angebunden war und dort Sachen vermitteln sollte, die sonst im domicil nicht stattfanden. “Ich fand den Namen dann irgendwann zu sperrig”, sagt Jan Klare. “The Dorf< kam aus Supernova-Zeiten. Da sagten wir auch schon, dass das keine Band, sondern ein Dorf sei: ziemlich heterogen, mit Leuten, die sonst nie miteinander spielen würden. Auch wenn die Grundstimmung gut ist, hat man immer Leute in der Band, die nicht unbedingt miteinander spielen würden. Die Band ist jetzt wie ein offener Dorfplatz, auf den die Menschen kommen, die gerade da sind, und es passiert, was so passiert. Deshalb fand ich den Namen für das doch regionale Projekt passend. Es ist nicht so, dass sich jeder den anderen ausgesucht hat, es ist ein soziales Unternehmen, denn wir essen auch immer zusammen. Zu sagen, dass wir ein Kollektiv sind, wäre allerdings zu hoch gegriffen. Reste der 68er vielleicht?”

In Formation

Für die Arbeit am kollektiven Sound wurde Jan Klare stark von der holländischen Szene beeinflusst: “Wenn man da in Platten reinhört, gibt es oft ein verbindendes Klangbild. Das ist hierzulande noch nicht so ausgeprägt, es gibt eher regionale Klangbilder wie Berlin oder den Ruhrpott. Hierüber herrscht Konsens im Dorf, wie auch die Ideen, Was damit anzustellen sei, gemeinsam getragen werden, da diese Parameter weit über die geschriebenen Parts hinausgehen.

Viele der Musiker haben ihre eigenen Konzertreihen, finden es aber trotzdem spannend, in so einer GroBformation wahrgenommen zu werden. Für Einzelkämpfer im Jazzmarkt ist es schwer”, weiß Klare. “Die Szenerie promotet immer wieder neue, blutjunge Gesichter, da hat man es als einzelner Spieler und Saxofonist schwer. Irgendwann bist du mit dem Thema durch, und dann müssen andere Strukturen greifen.” Dieser Einsicht folgend, verzichtet Jan Klare beim Dorf darauf, selbst zu spielen, und konzentriert sich neben dem Schreiben aufs Dirigieren - ein wichtiger Part, um Linien in die Musik zu bekommen und Ablaufe zu koordinieren “Die Übersicht über den Sound ist nicht zu gewährleisten, wenn du mittendrin stehst. Wenn man selber spielt, bekommt man höchstens die Hälfte von all dem mit, Was gerade in der Band passiert. Weil wir keine feste Band sind, vermindert das Dirigieren den Stress, weil die Spieler sich in die Musik fallen lassen können und sich an mir orientieren. Natürlich spiele total gerne; in kleineren Bands bist du der Kopf, der Komponist und noch derjenige, der die Gage mit dem Veranstalter aushandelt. Manchmal glaube ich, dass ich als Sideman wesentlich relaxter und manchmal auch besser spiele.” Aber letztlich habe er als Dirigent mehr Einfluss auf die Musik, lacht Jan Klare und erzählt, dass er eine Zeit lang auch das Pseudonym Robot von Klarajan benutzt habe. “Eigentlich wollte ich mit Tambourmajorstab dirigieren oder im Frack. Das ist auch mal ganz nett, aber nur eine Spielerei am Rande.” Und bei The Dorf geht es schließlich ums Ganze.

Angela Ballhorn, Jazzthetik, O3.O9

Interessante Klankschakeringen

The Dorf, een 20-koppige bigband met een uitzonderlijke bezetting onder leiding van Jan Klare, verzorgde het slot van deze avond. Hoezo uitzonderlijk hoor ik u denken? Wel, wat te denken van: zang, trompet, altsax, tenorsaxen (2x), bassax, viool, cello, keys, gitaar (3x), percussie, electronics (2x), bas en drums (2x). De band speelt maandelijks in jazzclub Domicil in Dortmund. Onder Klare's leiding klonk de band als een ruwe bolster met blanke pit, stevig, gepassioneerd, kortom vet! Klare schreef veel uit, maar liet ook ruimte voor individuele improvisaties. Soms deed het idioom denken aan Sun Ra, maar het bleef toch vooral de geest van inspirator Klare die rondwaarde in de muziek.

Met zo'n bezetting zijn er natuurlijk genoeg mogelijkheden om interessante klankschakeringen te ontwerpen. Zo hoorden we fraai introspel in 'Now' van violist Martin Verborg en percussionist Achim Kämper. Deze laatste had een bonte verzameling ingeblikte geluiden tot zijn beschikking, die hij raak wist in te zetten. Klare's gebaren en zijn door enthousiasme gedreven bewegingen inspireerden de band. Al sloeg de schrik je wel eens om het hart als hij al doende bijna van zijn verhoging kukelde. Veel van het gespeelde materiaal leende zich om je er beelden bij voor te stellen. Filmische muziek en dat zeker in het laatste stuk 'Bla'. Hieraan zouden videokunstenaars hun hartje kunnen ophalen. Ze moeten dan wel resistent zijn tegen de flinke decibelwaarden die af en toe voorbijkwamen. Dus de watjes onder hen steken die liever in de oren. Een pittig slot van een gevarieerde concertavond!

Cees van Veen, drai om je ooren

Rauw en vol Energie

In Dortmund komt elke maand een grote pool van muzikanten bijeen in de jazzclub Domicil. In juni 2007 dook een bezetting van 22 van hen de studio in, en het resultaat is nu te horen op deze eerste cd van The Dorf. Veel saxofoons, keyboards, gitaren en twee drummers. Leider, componist en dirigent van het orkest is saxofonist Jan Klare, bekend van Das Böse Ding, en allerlei projecten met gitarist Jacques Palinckx. Vanaf het eerste nummer, ‘Ouverture’ dendert de band uit de speakers, en doet dan denken aan de legendarische Groningse band Kleg uit de jaren tachtig. Het klankideaal is veel meer rock dan jazz, en The Dorf moet het ook zeker niet van subtiliteit hebben. Ritmisch sterk, rauw en vol energie, dat zijn de steekwoorden. Wie de cd in de computer doet, kan ook nog genieten van een video-opname van een kwartier. Ondanks het soms wat onbeholpen camerawerk krijg je dan wel een goed idee hoe de band op het podium functioneert. Toch maar eens gaan kijken, daar in het Roergebied.

Herman te Loo, Jazzflits

Of dat nodig was?

The Dorf kreeg op de voorlaatste avond de ondankbare taak Greetje Kauffeld op te volgen. De twintig mans bigband deed dat met een oorverdovend volume. Of dat nodig was? Volgens leider Jan Klare wel: dat volume maakte deel uit van het concept van de band. Hoe het ook zij, als Gustav Mahler nog had geleefd, had hij met het symfonisch materiaal van The Dorf best iets gekund. In deze orkaan van geweld doken soms The Mothers of Invention van Frank Zappa op, die werden opgevangen door de klanken van één viool. En solo´s van twee ontketende drummers met daaroverheen de klanken van een cello, het lijkt op een nieuwe big-bandschets.

Stranger than Paranoia, Tilburg NL 01/09 Rinus van der Heijden

Infectious

To quote the sleeve of this 45-minute album (plus a 15-minute video bonus track), ‘The Dorf is a very large band that plays monthly at the jazz club Domicil in Dortmund in Germany. The orchestra is led by Jan Klare, who writes the music for the band.’ Perhaps ‘very large’ is the operative phrase here: the band’s sound is hard and hefty, packing a massive punch in ensemble passages and able to duplicate most instruments, so that, for instance, slashing, clanging electric guitar chords continue to sound even when a wild, heady electric guitar solo is being played.

Klare’s material is relatively straightforward, consisting of uncomplicated themes with heavy, pronounced, rock-style beats. There are occasional quieter moments where compositions slowly emerge from drone effects or the horns commune softly with themselves, but for the most part a riff is stated, a pleasantly galumphing beat established, and the band simply rocks solidly for the duration of the piece. Klare has a pool of around 30 musicians, apparently, from whom 15–20 constitute the band on particular nights, so there is a fresh informality to much of his music, and the enthusiasm of the participants (mostly young, from the evidence of the video) is infectious, and faithfully reproduced on this thoroughly unpretentious, enjoyably lively album.

Brian Morton, Jazz Review

Brandgefahr

Der Münsteraner Jan Klare ist auch so ein Umtriebiger, der nie vom BA-Radar erfasst wurde, nicht mit Das Böse Ding, nicht mit 1000, dem Quartett mit Maris, de Joode & Vatcher, nicht mit Klan Jare. Mit Tobi Lessnow am Schlagzeug und den beiden Keyboardern Oliver Siegel und Martin Scholz ist da schon der harte Kern zusammen, der auch in THE DORF (LR 523 + video) steckt. Das ist eine Bigband, die seit 2006 allmonatlich im Dortmunder Domicil unter Klares Fuchtel als eine Art La Banda des Ruhrgebiets Jazzrock spielt, schwer bestückt mit Doppelschlagzeug, dreifach Bass und Keyboards, vierfach Gitarre und jede Menge Gebläse.

Die Hauptagenda der XXL-Formation ist mehr noch als beim eklektischeren Vorläufer Supernova ein Brummi-Drive, mit einigen V-Effekten. ‚Miniatures‘ besteht sogar nur aus V-Effekten, aus Ho!- & Ha!-‚Störungen‘, die mehrmals zum Vollbremsen nötigen. The Dorf klingt kein bisschen wie vom Dorf, vielmehr so ‚technoid‘, ‚blast‘ und ‚torn‘, wie es diese Titel versprechen. Selbst wenn eine Blasmusikkapelle vom Dorf - das Ruhrgebiet ist ja deutsches Brassed Off-Gebiet - als Ahne fungierte und kraut-jazzige Doldingerei als Kick, die Kirche im Dorf zu lassen, dann ist der Nachfahre durch und durch urbanisiert und dynamisiert.

Das viertelstündige Video zeigt The Dorf im Domicil, mit - wechselnde Besetzungen sind obligatorisch - Moo Lohkenn an Vocals, mit Strings und doppelt Electronics. Den Hauptpart bildet eine getragene Tenorsaxlinie, den Zieleinlauf bestimmen furiose Gitarren, aber über allem herrscht wieder ein bestechender Groove und ein Konzertmeister, dessen beige Hose zwar besser zu einem evangelischen Laienchor passen würde, auf dessen Blatt jedoch nichts als begeisternde Jatzmusik steht. Denn gespielt wird vom Blatt, offenbar feuerfestem, denn die Brandgefahr ist bei diesen Noten enorm.

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy 26.10.08

Duke Ellington auf Speed

Was die trocken "The Dorf" genannte Ruhrgebiets-Allstar-Combo unter Leitung von Jan Klare auf ihrem Erstling präsentiert, klingt wie Duke Ellington auf Speed trifft Thrash Metal, garniert mit Free Jazz. Kein Wunder angesichts von 4 Gitarren sowie Drums, Keys und Bässen im Dreierpack sowie sonstigen Klangerzeugern. Grandios opulenter Bombast-Jazz, der schärfste Big-Band-Sound seit Gil Evans selig und der Hammer für jedes Festival.

Sven Thielmann, Stereoplay 01.01.09

Jazz schneller als Blitz und Donner

"Es gibt bei dem Stück keine Solisten, obwohl es Jazz ist!“ sagt Jan Klare bei der Vorstellung der nächsten Komposition. Wenn es noch einen Beweis für die Vielseitigkeit dieser Musikrichtung bedurft hatte, dann hat ihn Klare mit diesem Ensemble im Landesmuseum geliefert. Das "Off Domicil Orchester“ unter Leitung des münsterschen Saxofonisten streifte beinah alle Stile des 20. Jahrhunderts.

Seit einem Jahr versammelt der Bandleader im Dortmunder Jazzclub Domicil monatlich rund 20 Musiker zu einer dreistündigen Probe. Nach einem Essen findet am selben Abend bereits das Konzert statt. Diese Abfolge wurde auch im Westfälischen Landesmuseum eingehalten. Noch bevor der erste Ton erklingt ist klar: Das "Off Domicil Orchester“ ist keine herkömmliche Big Band. Da gesellen sich zu der Brass Section Geige und Cello, genauso wie eine doppelt besetzte Rhythmusgruppe; Schlagzeuger, Bassisten, Gitarristen. Und diese leistet ganze Arbeit! Polyrhythmisch schlägt es eckig gegeneinander, ein brodelndes Geflecht aus verschobenen Zeiteinheiten bildet den Auftakt für tranceartige Klangerlebnisse. Die Bläser legen getragene Linien über dieses Gewirr, aus dem elektronischen Instrumenatrium werden Samples eingespielt, die Sounds liegen wie Schichten übereinander und die Klänge wandern im Kreis. Als Zuhörer muss man auf alles gefasst sein. Der musikalische Raum wird geöffnet und schlagartig verdichtet. Die Stimmungen wechseln schneller als Biltz und Donner. Klares Kompositionen eröffnen den großorchestralen Stilmix. Die Exkursionen machen Halt bei Free Jazz und Trash Metal, Club Sounds und Jazzrock, Ethnoelemnete treffen auf Anleihen beim Dadaismus.

Die alles zusammenhaltende Klammer ist die atmosphärische Dichte, die allen Stücken gemein ist. Sie ist Resultat des Konzepts von Jan Klare. Innerhalb der Struktur verlangt der Strippenzieher den zumeist jungen Mitgliedern des Ensembles jene Freiheit und Spontanität ab, die diese mit beeindruckender Individualität beantworten. Neben einer CD Einspielung plant das "Off Domicil Orchester“ weitere Auftritte außerhalb Dortmunds. Münster wartet jetzt schon!

WN 27.11.07

Jan Klare backt keine kleinen Brötchen

Beim Westfälischen Kunstverein in Münsters Landesmuseum wurde das Publikum am Freitag Abend Zeuge eines abenteuerlichen Streifzugs durch die Randbereiche des modernen Jazz. Das Off-Domicil-Orchestra bot unter der Leitung von Jan Klare eine in allen Beziehungen einmalige Vorstellung.

Eine unüberschaubare Anzahl von Instrumenten und Gerätschaften war aufgebaut, um die Visionen Klares in Klang umzusetzen. Die Marschrichtung war von Anfang an klar: Kleine Brötchen werden woanders gebacken. Kompromisslos der Einstieg, mächtig im Sound und ungeheuer vielschichtig. Störgeräusche aus dem Synthesizer, sphärische Klänge, aus denen sich langsam eine Harmonie herausbildet, ozeanische Klangtiefen. Dann wieder ein bedrohliches Bassthema, Stimmenfragmente im Hintergrund, beklemmende Spannung.

Im nächsten Stück hingegen eine funky Gitarre, treibende Drums und ein unerbittlich groovender Bass. Man weiß nie, was als nächstes kommt. Die Stücke bewegen sich auf und nieder, von absoluter Ekstase bis zu Momenten fast totaler Stille. Manche entfalten scih schier endlos, hängen in der Luft, irren scheinbar ziellos umher, Melodien werden angedeutet, nur um direkt wieder demontiert zu werden. Sinfonische Weichheit, Klassischer Jazz und Momente von hymnischem Pop stehen neben kakophonischgem Lärm, atemlosen drumsolos und wuchtigen Heavy Metal Riffs. Und immer wieder die nicht enden wollenden Crescendi, minutenlange Steigerung bis zum Siedepunkt und darüber hinaus. Klare beansprucht sein Publikum, fordert es heraus. Der Abend stehet im Zeichen von organisiertem Chaos, wilder und ungezähmter Spielfreude und dem unüberwindbaren Drang, Konventionen über den Haufen zu werfen. Ein einmaliges Erlebnis – extensiv, exzessiv, ekstatisch.

Johannes Wallat, MZ 27.11.07
The Dorf